Es war Ende der 70iger Jahre, als ich in Freising einer Kleinstadt nahe bei München, eine kleine Wohnung mit Gartenbenutzung hatte und von dort aus regelmäßig Ausflüge in die nahe gelegenen Isarauen machte.
Auf meinem Wege kam ich immer an einer Wohnanlage vorbei, die einen großen Hof hatte auf dem Baumaterialien gelagert waren, wobei es sich offensichtlich um einen Bauhof handelte.
Auf dem Hof befand sich ein großer Hundezwinger, indem zwei sich fürchterlich aufführende, kläffende große Hunde hausten. Immer war man froh, daß sie sich in einem Käfig befanden.
Eines Tages nun, als ich mich auf einer Spazierfahrt mit dem Rad befand, kam ich wieder an diesem Ort vorbei und sah den Käfig diesmal leer. Ich betrat den daneben vorbeiführenden schmalen Dammweg, der nahe neben der Isar verlief und mein Rad an der Seite schiebend, ging ich gemütlichen Schrittes meines Weges.
Als ich etwa die Hälfte der Strecke auf dem Damm zurückgelegt hatte, sah ich von weiten zwei mir entgegenkommende Personen, die beide Hunde mitsichführten.
Plötzlich bekam ich ein großes Unbehagen in der Magengegend und fühlte deutlich eine Gefahr auf mich zukommen. Kurz dachte ich daran umzukehren, um dieser auszuweichen, aber etwas in mir weigerte sich zu fliehen und ich beschloß ruhig weiterzugehen, komme da was wolle.
In der Tat fingen die Hunde, sobald sie mich erblickt hatten, fürchterlich zu bellen an, so daß die beiden Personen Mühe hatten diese zurückzuhalten.
Da ich nicht mehr ausweichen konnte, ging ich ruhig weiter.
Als sie sich näherten, konnte ich erkennen, daß es sich um einen Vater mit seinem etwa 13-15 Jahre alten Sohn handelte. Der Junge war etwas vom Weg abgewichen, damit ich vorbei konnte und hielt dabei den wütenden Hund fest.
Plötzlich leuchte in seinen Augen ein dämonischer Blick auf und ich sah, daß er den Hund bewußt losließ, ihm dabei etwas ins Ohr flüsternd.
Dieser begann mit großen Sprüngen bellend auf mich zuzurennen.
Es gab nichts, das ich hätte tun können, um diesen Angriff auszuweichen. So hielt ich an und wartete was geschehen würde. Innerlich erstarrte ich dabei in eine absolute Reglosigkeit, fest auf die Hilfe der Mutter vertrauend.
Der Hund schnappte als er vor mir stand, was ich deutlich sah, nach meinem Oberschenkel. Normalerweise hätte ich gebissen sein müssen. Aber ich sah nur den Schnapp und daß er ins Leere schnappte.
Verblüfft erstarrte der Hund und hörte zu bellen auf, - nichts war geschehen.
Als der Vater näher gekommen war und ich spürte, daß ich der Gefahr entronnen war, sagte ich etwas spitz: "Ach, darf man hier jetzt nicht mehr spazieren gehen?" Der Vater schien ebenso verblüfft und ich hörte wie er vorwurfsvoll zu seinem Sohne sagte: "Warum läßt'n du den los?"
Der Sohn schwieg schuldbewußt.
Die Beiden entfernten sich etwas bedäppert mit ihren Hunden und ich konnte meinen Weg erleichtert fortsetzen.
Eines war klar. Wenn ich auch nur den geringsten Versuch gemachte hätte, den Angriff des Hundes irgendwie abzuwehren, hätte mich das sofort dem Angriff ausgesetzt und ich wäre höchstwahrscheinlich gebissen worden. Aber die innere Reglosigkeit, die auf einer völligen Überantwortung an die Kraft der Mutter basierte, hatte mich vor dem Angriff beschützt.
Später las ich von dem Angriff des Straßenmobs in Pondicherry auf den Schri Aurobindo Aschram. Dort warf man Steine und jemand der genau dieselbe Haltung wie ich angenommen hatte, konnte sich unverletzt durch diesen Steinhagel bewegen.
Auf diese Art hatte also der Schutz der Mutter gewirkt.
Ich bin überzeugt, auch wenn jemand eine Schußwaffe auf sie abfeuert oder einen Messerstich ausführt, oder sogar eine Bombe vor ihnen explodieren läßt, - sobald sie diese Haltung einnehmen können, wird ihnen absolut nichts passieren.
Nur sie muß wahr sein, sie darf nicht gespielt sein. Sobald sie nur imitiert wird und sie äußerlich ein zitterndes Etwas sind, gebe ich ihnen keinen Pfifferling.
Es gibt Beispiele in der Geschichte, wie etwa mit Kaiser Augustus, der einen mit einem Messer bewaffneten Mörder mit seiner stillen Haltung in die Flucht schlug, die Ähnlichkeit mit diesem aufweisen. Und obwohl sie natürlich auch ihre Wirkung haben, ist es nicht das Gleiche. Hier ist etwas Neues dazu gekommen: der Angriff selbst wurde annuliert. So als ob er nicht geschehen wäre.
Es könnte sehr gut die neue supramentale Substanz sein, die dichter als die materielle, zwar noch sichtbar, aber nicht mehr durch das alte Bewußtsein zerstörbar ist. Sie befindet sich auf einer anderen Zeit und Raum Ebene.
Sehr viele Jahre später, als ich wieder in München wohnte, begegnete mir eines Tages ein Bus und ich sah jemand darinnen sitzen, der mir sofort dieses Ereigniss wieder ins Gedächtniss rief. Es war der Junge. Er hatte das gleiche Aussehen, mit einem nur etwas boshafteren Blick.
Es handelte sich um seine Wiedergeburt. Somit hatte ihm diese Tat, die er herbeigeführt hatte, das Leben gekostet.
Bad Karma :-)
Ihr Rolf Helmecke
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