Die Mutter und der Regen


Es war vor etwa 41 Jahren, als ich herkam. Ich bemerkte, daß es nur des Nachts regnete. Während des Tages war es sehr hell, aber Nachts fing es um 19 Uhr herum an und Morgens regnete es wiederum nicht. Das war nicht nur an einem oder zwei Tagen so, sondern ganz normal. Nur gelegentlich gab es Platzregen. Deshalb fragte ich meinen Lehrer warum, war es eine Besonderheit in diesen Gegenden? Er sagte mir, nein, die Mutter hatte ein Übereinkommen mit den Regengöttern, das es normalerweise des Nachts regnen würde, wenn es keine Aschram Aktivitäten, wie Bauarbeiten, Reparaturen usw. gab. Es war eine Art Vertrag und er wurde sehr treu eingehalten. Das war bis der Zweite Weltkrieg ausbrach, dann kamen die Dinge ein bißchen durcheinander. Vielleicht entband sie die Regengötter von ihrem Übereinkommen, da alles aufgescheucht war. Und dann irgendwann im Jahre 1946-47 gab es schreckliche Stürme, Platzregen, Zyklone hier und auch im Rest des Landes. Warum war das passiert? Als die Mutter gefragt wurde, sagte sie, daß es einen gewissen festgelegten Rhythmus im Kosmos gibt, besonders in der Erdatmosphäre. Nach der Explosion der Atombombe und anderen nuklearen Versuchen, war die ganze Atmosphäre durcheinander, die Rhythmen waren umgekippt und jene Elementarwesen die für Regen, Sturm verantwortlich waren, spielten verrückt, sie wußten nicht welchen Weg sie nehmen sollten, was sie tun sollten, wie sich zu regulieren wäre. So begannen alle möglichen Dinge in ihrem verrückten Verlauf zu geschehen. Meteorologische Berichte schlugen fehl und es gab außerhalb der Saison schreckliche Zyklone. Sie sagte, daß diese Explosionen einen sehr langwirkenden negativen Effekt hätten, nicht nur auf der Erde, sondern in der universalen Atmosphäre.

Auch im Aschram änderten sich die Anordnungen. Die Jungen wollten zum Ernten, zum Betonieren gehen, somit war es notwendig, daß es zu dieser Zeit nicht regnete. So ging die Mutter zu Schri Aurobindo und sagte, daß die Jungen zum Ernten gegangen wären und morgen sollte es nicht regnen. Er konzentrierte sich und es gab keinen Regen bis die letzte Arbeit fertig war. Immerhin sofort danach gab es einen verdoppelten Platzregen!

Einmal kam eine Postkarte aus Karnataka, daß es dort keinen Regen und keine Ernten gäbe und die armen Leute leiden würden. Eine Postkarte, eine zweite und eine dritte kam. Dann dachte ich, es muß der Mutter mitgeteilt werden und informierte sie. "Ich verstehe", sagte sie und fuhr mit anderer Arbeit fort. Nach vierzehn Tagen kamen Briefe an, die über Fluten und schwere Regen in Karnataka klagten. Als dies der Mutter gesagt wurde, hob sie alles auf und rief aus:: ‘Undankbarer Mensch’. Sie fuhr fort: ‘Ihr betet für eine Sache und wenn eure Gebete beantwortet werden, könnt ihr es nicht mal für eine kleine Weile aushalten und ertragen. Anstatt dankbar zu sein, klagt ihr.’ Nun, das war eine Lexion. Sie sagte immer, daß Regen ein Gnadenakt sei, es ist ein physischer Ausdruck der Herabkunft der Gnade. Dies bestätigt unsere indische Tradition, - wenn es Nieselregen gibt bevor eine Veranstaltung beginnt, nehmen wir es immer als ein vielversprechendes Zeichen. Ich habe immer gesehen, daß das Bewußtsein der Mutter eine Verbindung zum Wasser, zum Regen hatte. Als ich anfing nach Außerhalb zu gehen, gingen wir zuerst nach Ceylon. Dort hatte es nicht geregnet. Wir waren zu einem Besitztum gegangen, wo die Dinge vertrocknet waren. Aber sobald wir vom Aschram dort eintraten, begann es zu nieseln. Ich hatte es nicht bemerkt, jemand anderes tat es. Dann gingen wir nach Amerika. Dort war eine Dürre in der Gegend von San Franzisko. Sogar als wir noch 400 Meilen entfernt waren, servierten sie nur widerwillig Wasser im Restaurant. In der Zeit wo wir San Franzisko erreichten, servierten sie überhaupt kein Wasser mehr, sie sagten: "Wir würden lieber ohne Kunden sein, als Wasser servieren." Doch als wir die Stadt betraten, fing es an zu nieseln. Wir führten die Verbindung auf Mutters Bewußtsein zurück. Ich wurde einmal plötzlich im Mittel-Westen (USA) gerufen, es war im Dezember. Es war sehr kalt und alle sorgten sich um mein Befinden. Es hatte geschneit. An dem Tag nun, andem ich dort hinging, war Sonnenschein und alle waren sie verwundert. Bei den Anhängern aber wußte man, es war Mutters zunehmende Vorkehrung für ihren Botschafter. Es gab überhaupt keine Übereinstimmung, den am Tag wo ich abreiste, fing es an zu schneien !

In den frühen Zwanzigern, als Champaklal hier ankam, wurde es niemanden erlaubt, zwischen 12 und 2 Uhr in den Straßen Pondicherrys spazieren zu gehen. Es war so heiß, daß in den Straßen nichtmal Hunde gesehen wurden. Büros schlossen vor 12 Uhr und öffneten nach 3 Uhr. Als ich im Jahre 1937-38 herkam, waren die Dinge etwas besser, aber die Sonne die wir heute um 12 Uhr haben, pflegte dort um 8 Uhr am Morgen zu sein. Um 8 Uhr Morgens pflegten wir nicht ohne einen Schirm auszugehen, so heiß war es. Aber die Mutter hatte gesagt, wenn das neue Bewußtsein, das supramentale Bewußtsein in die Erdzone eintreten würde, würde sich das Wetter ändern, es würde kühler werden, - und das ist jetzt passiert. Zu jener Zeit hatte niemand von uns einen Lüfter. Schri Aurobindo selbst hatte keinen Lüfter. Niemand von uns dachte auch nur an einen Lüfter, weil es damals ein Zeichen von Luxirosität war und wir waren nicht wegen eines luxuriösen Lebens hierher gekommen. Wir litten unter stechender Hitze, aber seit das Supramental die Atmosphäre betreten hat, sehen sie die Veränderung im Wetterverhalten und diese Änderung wurde in der ganzen Welt bemerkt. Die tropischen Klimazonen untergehen einer Änderung und werden mehr und mehr temperiert. Die gemäßigten Klimazonen werden nicht eiskalt werden, sie werden erträglich, somit geht die ganze Änderung zu einer Art erträglicheren Mittelwetter. Nun sagen die Wissenschaftler, daß die Sonne in einigen Billionen Jahren sich abkühlt und alles wird ‘beendet’ sein. Vielleicht wird zu dieser Zeit der Zyklus der Erdmanifestation vorbei sein. Die Mutter sagte immer, daß wir denken, sprechen und uns so benehmen, als ob die Erde die einzige Schöpfung wäre und dies der einzige Zyklus der Schöpfung. Sogar diese Erde hat viele Zyklen gesehen und wir sind gegenwärtig in einem solchen Zyklus. Schri Aurobindo sagt, daß für diesen Zyklus, das Erreichen des supramentalen Bewußtseins und Macht das Ziel ist. Der nächste Zyklus mag der des Satchitananda sein, somit ist dieser nicht der letzte. Es gibt keinen Letzten. Schri Aurobindo und die Mutter sagen beide, daß Anfang und Ende, Vorstellungen des menschlichen Geistes sind. Wo sagen sie, ist der Anfang und wo ist das Ende in einem Zyklus? Sein Konzept des Daseins ist nicht was sie zirkular nennen; zirkular bedeutet, daß sie zum gleichen Punkt zurückkommen, sie drehen sich rundherum und rundherum. Er sagt, es ist zyklisch, nicht zirkular. Zyklisch bedeutet, wie eine Spirale, es sieht aus als ob sie zu dem gleichen Punkt zurückkommen, doch jedesmal ist es ein bißchen höher, etwas höher. Seit den vedischen Anfängen haben wir immer von Yuga-Zyklen gesprochen. Deshalb benannte er das um, was er im Arya geschrieben hatte, ‘The Psychology of Social Development’ in ‘Human Cycle’. Die Gewinne jedes Zyklus, dauern im nächsten Zyklus fort. Dies ist was gemeint ist, wenn gesagt wird, daß die Samen dieses Zyklus vom vorhergehenden Zyklus ererbt, im folgenden Zyklus sprießen. Aber für Schri Aurobindo ist es der Göttliche Wille, der die Ursache ist. Dieser Wille führt jeden Moment in Richtung seiner Bestimmung. Unsere persönlichen Leben sind Teile dieses totalen Prozesses.

M.P.Pandit 16.10.1980

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