Eine Einführung in die Wedas

von Nolini Kanta Gupta

Zweites Kapitel Drittes Kapitel Sanskrit-Wörterbuch


1.

Was ist es, das wir Weda nennen? Es ist uns bereits bekannt, daß die Wedas die ganzjährige Schrift indischer Kultur und Bildung, die Grundlage des Hinduismus und die Basis der arischen Zivilisation sind. Der, der sich dem Weda widersetzt, ist ein Atheist, ein Nicht-Hindu, ein Unberührbarer und ein Nicht-Arier. All die verschiedenen religiösen Systeme und Heiligen Schriften der Hindus, schauen auf den Weda als alleinige Authorität. Was dem Weda gegenüber widersprüchlich ist, ist falsch und unannehmbar. Es ist keine Hyperbel zu sagen, daß alle unsere Heiligen Schriften ausführliche Kommentare zum Weda sind. Sogar Menschen mit revolutionären Ideen, die neue Doktrinen predigen wollen, haben nicht den Mut, sich den Wedas von Angesicht zu Angesicht zu widersetzen. Sie versuchen Passagen zur Unterstützung ihrer Ansichten zu finden, oder interpretieren die Wedas in ihrem eigenen Licht oder erklären wenigstens, daß die Wedas ihre Ansichten weder widerlegen noch bestätigen.

Hinduismus ist die katholischste von allen Religionen. Es ist die komplexeste und unterschiedlichste. Er hat friedlich viele verschiedene Glaubensbekenntnisse behaust. Und all diese esoterischen Geheimnisse, werden einzig den Wedas zugeschrieben. Die Botschaft des vedischen Rischi Dirghatamas, hat die Hindus und das Herz Indiens seit Äonen inspiriert. Diese Botschaft ist immer noch so vertraut und lebendig wie immer, (ekam sad vipra bahudha vadanti -- die eine Wahrheit ist von verschiedenen Sehern unterschiedlich ausgedrückt worden). Das Gajatri Mantra, das so natürlich geworden ist wie die Luft die wir ein und ausatmen, wurde zuerst vom unsterblichen Weisen des Weda Viswamitra gesungen. Sogar im 20. Jahrhundert folgen wir den Anweisungen der Vedischen Seher beim Ausführen der zehn Hauptfunktionen unseres sozialen Lebens, von unserer Geburt bis zum Tod.

Deshalb ist der Weda nach uns so unveränderlich und immerwährend, wie das Höchste Brahman. Die Wurzelbedeutung des Ausdrucks "Brahman" ist das Wort, das inspirierte Wort. Daher ist der Weda ewig wahr, von der Geburt der Schöpfung, bis zum gegenwärtigen Zeitalter. Niemand hat die Wedas geschaffen, noch konnte es irgend jemand tun, nicht einmal die Rischis. Die Seher hörten sie mit einem übernatürlichen Hörvermögen und sahen sie einfach vor ihrer geistigen Schau geschrieben, wonach sie diese in systematischer Weise arrangierten. Das ist, warum der Weda keine menschliche Schöpfung ist. Die standhaften Hindus unterstützen diese Ansicht.

Können wir auf die Wedas schauen, wie die Christen auf die Bibel schauen und die Mohammedaner auf den Koran? All die Beinamen, die wir auf die Wedas anwenden, werden gleichermaßen von den Christen und den Mohammedanern auf ihre jeweilige Heilige Schrift angewandt. Und es ist kein Wunder, daß jede Nation ihre eigene Heilige Schrift in den Himmel loben sollte. Aber es obliegt uns, sich des Wertes der Wedas rechtermaßen zu vergewissern. Wir müssen entdecken, ob es wahr ist, daß sie es verdienen, eine unfehlbare und übernatürliche Schöpfung genannt zu werden.

Es ist eine Notwendigkeit der Stunde, den Inhalt der Wedas zu untersuchen. Den Europäern soll zugeschrieben werden, diese kühne Anfrage aufgezeigt zu haben. Solche Anfrage ist als 'höhere Kritik' in Europa bezeichnet worden. Sie gilt nicht nur für die Wedas, sondern ebensogut für ihre eigene Heilige Schrift. Es ist das angeborene Merkmal der Europäer nichts zu akzeptieren, ohne es bei jedem Schritt einem ernsten Test zu unterziehen. Sie sind nicht bereit etwas auf der Grundlage zu akzeptieren, daß von Generation zu Generation weiter gegeben worden ist. Unnötig zu sagen, daß der Wert solch einer Gewohnheit unermeßlich ist. Und zu unserem Pech verloren wir diese Gewohnheit schon lange. Im gegenwärtigen Zeitalter sind wir bei der bloßen Erwähnung der Wedas stolz, ohne ihren Inhalt kennen zu wollen. Wir sollten den Europäern dankbar sein, daß eine neue Welle aus dem Westen uns zu einem wahren Forschungsgeist erweckt hat.

Es ist ziemlich überraschend, daß nur sehr wenige Leute in Indien Kenntnisse der Wedas haben. Die meisten haben kaum die Gelegenheit gehabt, nur einen Blick von diesem mächtigen Werk zu erhaschen. Aber das Schicksal der Bibel ist in Europa anders gewesen. Die gewöhnliche Herde des Volkes in Indien, war mit dem Ramayana, dem Mahabharata und den Puranas zufrieden. Und die wenigen Gelehrten kümmerten sich mehr um die Upanischaden und die sechs Systeme der Philosophie. Sogar Rammohan Roy, der die Hindus mit neuen Geist und Licht erfüllte, konnte nicht über die Domäne der Upanischaden hinausgehen. Die Wenigen, die sich außerdem mit einer Diskussion der Wedas beschäftigten, beschränkten sich mehr auf die Kommentare zu den Wedas, als mit den Wedas selbst. Die Grammatik von Panini, Nirukta, die Wissenschaft der Ableitungsbedeutungen der Wurzeln, Mimamsa, die Kommentare zu den Wedas und hauptsächlich die von Sayana Acharya gemachten Kommentare, machten es so schwierig, den Text der Wedas zu verstehen, daß er wie der Gipfel eines Bergs aussah, der durch tiefe und schwierige Wälder hindurch kaum erreicht werden konnte. Jedesmal wenn wir den Namen des Weda hörten, pflegten wir mit großer Ehrfurcht einen weiten Bogen um ihn zu machen. Es ist hier nicht unser Ziel zu erörtern, wer oder was für solch einen Paß verantwortlich ist, sondern nur, eine einfache Erklärung der bloßen Tatsache zu machen.

Europa erkühnte sich, einen Angriff auf diese unzugängliche Festung zu führen. Es gibt keinen Grund, warum die Europäer nicht dasselbe Gefühl der Verehrung haben sollten, wie es sich in unseren Herzen bei der bloßen Erwähnung der Wedas erhebt. Ihnen ist aber der Weda ein altes menschliches Produkt. Sie gingen nicht an ihn heran, um irgendeinen kulturellen Nutzen von ihm abzuleiten. Alles das sie wollten, sollte sie mit den arischen Hindus bekannt machen. Der nebulöse Schleier, der um die Wedas existierte, wurde durch sie zerrissen und beiseite gezogen und sie ersetzten ihn durch das Tageslicht moderner Gedanken. Wir werden später behandeln, was ihrem voreiligen Versuch folgte, aber es muß von Anfang an eingestanden werden, daß von ihrem Beispiel erweckt, die Hindus Mut faßten, um sich in die Wedas zu vertiefen. Und was entdeckten die europäischen Gelehrten, von Vorlieben befreit? Sie fanden, daß die ungewöhnliche Verehrung der Hindus für diese Heilige Schrift, einfach durch traditionellen Aberglauben, bar von jeder rationalen Ursache verursacht war. Nach ihnen, sind die Wedas der erste Versuch der Menschen in der Literatur. Sie sind eine bloße Sammlung von pastoralen Liedern, die mit dem Lispeln eines Babys vergleichbar sind. Der Mensch in seinem unzivilisierten und unschuldigen Zustand, fühlte jedes Objekt mit Leben erfüllt und stellte sich Geister hinter den Kräften der Natur vor. Deshalb betete er zu Indra und Varuna um Regen, zur Sonne um ihre Lichtstrahlen. Erschreckt durch den Orkan und Sturm, wollte er die Maruts um Schutz bitten und bezaubert durch die sanfte Schönheit der Morgendämmerung, ihr Lobeshymnen singen.

Die Götter und Dämonen besaßen, vom naiven und einfachen Geist vorgestellt, wundersame Kräfte -- durch solche Vorstellungen veranlasst, brachten die Menschen jenen mächtigen Wesen ihre Verehrung dar, bitten sie um die täglichen Notwendigkeiten, materiellen Wohlstand und Wohl nach dem Tod in der anderen Welt. Kühe und Pferde waren die Hauptmittel ihres Lebensunterhalts. Also beteten sie um Kühe, die reichlich Milch bringen und Pferde, die dynamische Stärke und Energie besitzen. Sie pflegten unter sich, - ein Clan gegen einen anderen und speziell gegen die Räuber zu kämpfen, die die Drawiden des alten Indiens waren, während sie die vom Ausland gekommenen Arier waren. Daher brauchten sie Ausrüstung und Waffen und wollten den Feind natürlich besiegen. Und das ist der Grund, warum sie für den Sieg Hilfe von den Göttern suchten.

Sie pflegten einige als Opfer gekannte spezielle Riten auszuführen, wobei sie auf einem Altar getrocknete Äste von heiligen Bäumen auf eine besondere Art arrangierten und ein Feuer entzündeten, worin Opfergaben von geklärter Butter und vielen anderen guten Dingen gegossen wurden. Sie boten den Göttern Wein (den Somasaft) und nahmen selbst daran teil. Es scheint, Feuer war ihnen eine neue Entdeckung. Das ist, warum sie seinen Wert so sehr schätzten. Außerdem lebten sie in einer frigiden schneebedeckten Region. Daher schauten sie auf das Feuer, als die Hauptgottheit ihrer Verehrung.


So weit haben wir den westlichen Ansatz zum Weda behandelt. Lassen Sie uns jetzt unsere Aufmerksamkeit auf die indische Ansicht des Wedas richten. Acharya Sayana ist der vorderste Gelehrte, dem die gegenwärtige indische Sicht ihren Ursprung schuldet. Er machte einen Kommentar zum Ganzen des Rigvedas. Aber es ist zweifelhaft, ob es den europäischen Gelehrten wegen seines Kommentares gelungen wäre, der abstrusen, alten und nicht vertrauten Sprache dieser Heiligen Schrift irgendeine Bedeutung abzugewinnen. Tatsächlich sind die von den westlichen Gelehrten gemachten Kommentare, vornehmlich auf der Grundlage seines Kommentars begründet. Er nahm jedoch nicht an, daß die Vedischen Seher bloße Kinder oder Menschen primitiver Stufe waren, noch legte er irgendeine Betonung auf die Erklärung, die auf den Ansichten und Szenen physischer Natur basierte. Er betrachtete und verstand den Weda vom Standpunkt der Opferriten. Er bemühte sich die Natur des Opfers vom Weda festzustellen und einen genauen Bericht über die ausgeführten Zeremonien in einem Opfer zu geben. Die Ausführung des Opfers ist ein Teil des spirituellen Lebens und ihr Ziel soll hier und hernach, Seelenfortschritt und Wohl bewirken. Die Götter verweilen in einer als Himmel gekannten Welt. Die Kräfte der Natur sind durch ihre Mächte gestützt. Ein besonderer Gott waltet über eine besondere Kraft der Natur. Alle Götter sind gemeinsam im Universalgott und alle Götter sind nur die verschiedenen Manifestationen desselben Universalgottes. Es ist die Kraft der Götter, die Menschen Kraft stiftet und auch die Menschen besänftigen ihrerseits die Götter, durch ihre ihnen angebotenen Opfer. Die Götter werden von der demütigen Verbeugung der Menschen und ihrer Darbringung von Soma-Rasa zufriedengestellt und genährt, während die Menschen ihrerseits zu Wohlstand in dieser Welt gelangen und sich einen besseren Status in der anderen Welt sichern.


Inder, die moderne Bildung erhalten haben, haben versucht, die Kommentare der westlichen und östlichen Gelehrten zum Weda zu synthetisieren. Ihr Ziel ist, das Bild einer zwar nicht gänzlich primitiven, aber einwenig primären Gesellschaft, durch Vereinigen der Interpretationen auf der Grundlage von Naturphänomenen und Opferriten darzustellen.

Wenn diese Ansicht als wirkliche gegebene Natur des Wedas betrachtet wurde, würde sich die Frage ergeben: Wie konnte der Weda vom hinduistischen Indien als Grundlage des arischen Genius und Schrift von Zivilisation und Kultur gehalten werden? Wenn der Weda nichts weiter als Kinderreime und Ähnliches war, wie konnte er dann durch Jahrhunderte einen anhaltenden Einfluß auf unsere Denkweise und unser Leben ausüben? Die Bibel und der Koran enthalten einige für das Leben und die Führung des Menschen für alle Zeiten ewige Wahrheiten. Aber entsprechend der naturalistischen Interpretation der westlichen Gelehrten und der von unseren orthodoxen Gelehrten angebotenen Opfererklärung, gibt es keine solche Erbauung oder anhaltende Wahrheit im Weda. Sollen wir dann annehmen, daß unsere Verehrung für den Weda, ihren Ursprung lediglich einer blinden Annahme einer Tradition durch Jahrhunderte schuldet? Unsere gegenwärtige Kultur und Zivilisation unterscheidet sich beträchtlich von der unserer Ahnen. Wie kommt es, daß wir immer noch eine tiefe Bewunderung für den Weda haben? Ist es deshalb, weil der Weda als Wurzel unseres mit einer Myriade Zweige, mit Blattwerk, Blumen und Früchten geschmückten kulturellen Baumes dient? Nein, die oberste Autorität des Wedas ist nicht aus bloßer Höflichkeit anerkannt worden. Das Schruti (die inspirierte Offenbarung A.d.Üb.) ist bei jedem Schritt und bei jeder Aktivität unseres täglichen Lebens der Notanker unserer Führung gewesen.


Hier ergibt sich die zweite Frage. Die westlichen und modernen Gelehrten neigen dazu, einen Unterschied zwischen dem Weda und dem Schruti zu machen. Nach ihnen ist der Ausdruck Schruti zur Upanischade und nicht zum Weda synonym. Aber was ist es, daß wir tatsächlich in der Upanischade finden, die bei allen orientalischen und abendländischen Gelehrten, als das Wissenslager höchster Ordnung betrachtet wird? Die Upanischade ist in Indien und im Ausland viel mehr als der Weda studiert worden. Der Grund ist der, daß die Ideen und die Sprache der Upanischade einfacher sind als jene des Weda und dem modernen Denken auch familiärer. Die Upanischade ist frei von all den Kompliziertheiten der Opferriten, Zeremonien und obskuren Mantras usw. Sie geht genauestens mit den klaren realisierten Wahrheiten um, die die Basis der philosophischen Doktrinen bilden. Das ist, warum die Europäer meinen, daß die Upanischade als Reaktion und Protest gegen den Weda hereinkommt. Zum Ende der Vedischen Ära boten die arischen Hindus ihrem Kult von Naturverehrung und Opfern Abschied und wendeten sich der Suche nach Gott und metaphysischen Wahrheiten zu und so wurde eine neue Ära herbeigeführt. Nun, auf welchem Boden machen die europäischen Gelehrten solch eine Behauptung, was die historische Entwicklung des indischen Denkens betrifft? Als Tatsache bemerken wir, daß jeder Lehrer der Philosophie, jedesmal wenn er irgendetwas von der Upanischade angeführt hat, auch versucht hat, es zu seiner Rechtfertigung mit einem ähnlichen Zitat vom Weda zu bestätigen. Es gibt nicht den geringsten Beweis, daß die Upanischade irgendeine dem Weda entgegengesetzte Ansicht enthielt oder ihm jemals widersprach. Die Upanischade ist der Höhepunkt vom oder eine Ergänzung des Wedas. Seit dem Aufkommen vom Dialektikphilosophen Hegel, ist es unter westlichen Gelehrten Mode geworden, eine Antithese in jedem Feld historischer Wahrheit zu finden. Von ihrer eigenen Geschichte lernen sie, daß sich das Christentum als Revolte gegen den Götzendienst der Römer erhob, dann wieder standen Martin Luther und der Protestantismus gegen die römisch-katholische Kirche auf. Ebenso sind sie gleichermaßen eifrig darauf aus, einen Aufstand in der religiösen Geschichte Indiens zu entdecken. Nicht das solch ein Geist von Antithesen in der Geschichte indischer Religionen insgesamt abwesend ist, aber es ist zutiefst bedeutungslos zu sagen, daß diese Antithese ebensogut zwischen dem Weda und der Upanischade existiert. In der Tat ist die Upanischade an den Weda immer höchst ehrfürchtig herangegangen und hat kaum zu erwähnen versäumt: "Dies hörten wir von den alten Weisen, die es uns erklärt hatten."

Außerdem stoßen wir in den gegenwärtigen Kommentaren zum Weda auf Erklärungen, die an einigen Stellen widersprüchlich, ungereimt, an Klarheit mangelnd, phantasievoll und willkürlich sind. Dasselbe Wort ist an verschiedenen Stellen mit verschiedene Bedeutungen, ohne jede Rechtfertigung verwendet worden und zu Zeiten wurden die Kommentatoren dazu gezwungen, still zu bleiben oder zu bekennen, daß sie weder Kopf noch Fuß von einer Passage, einem Satz oder einem Wort machen konnten. Zum Beispiel ist das Wort ghrta (geklärte Butter) als jala (Wasser) erklärt worden und das Wort Wasser, ist für antariksa (Äther) verwendet worden, und das Wort vyoman (Äther) ist als prthivi (Erde) interpretiert worden. Das ist, weil in den Interpretationen von Sayana oder Ramesh Dutta, trotzdem sie Wortsynonyme liefern, eine als Ganzes genommene Passage ziemlich merkwürdig, verwirrend und zutiefst bedeutungslos zu sein scheint. Man ist in Verlegenheit, ob man in Gelächter oder Tränen über solch eine Leistung ausbrechen sollte. Es könnte behauptet werden, daß der Weda im entfernten Altertum geschrieben wurde und daher wahrscheinlich viel seiner archaischen Sprache, vom Menschen des gegenwärtigen Zeitalters nicht verstanden wird. Es reicht unsererseits in der Lage zu sein, sich eine allgemeine Vorstellung von ihm zu bilden. Aber wenn man sogar zum Annehmen dieser allgemeinen Idee, zu einem behelfsmäßigen Hokuspokus greifen muß, dann wird es ziemlich klar, daß es irgendwo einen ernsten Fehler gegeben haben muß. Wenn es möglich wäre, die allgemeine Idee vom Weda leicht zu erlangen, dann wären ihr all die Dolmetscher unbedingt nachgegangen. Aber im gegenwärtigen Zeitalter finden wir unglücklicherweise, daß es neben den Opfer- und naturalistischen Interpretationen, auch historische (von Abinash Chandra Das), geographische (von Umesh Chandra Vidyaratna), astronomische (von Tilak), wissenschaftliche (durch Paramasiva Aiyar) und sogar eine Interpretation auf der Grundlage der Chemie (von Narayan Gaur) usw. usw. gibt. Viele Köpfe, viele Wege; - nirgends sonst kann dieses oft zitierte Sprichwort so passend angewandt werden, wie im Falle der vielfältigen Interpretationen des Wedas. Einige Teile des Wedas, die einen Interpreter am meisten entsprechend seiner eigenen geistigen Neigung angezogen hatten, gaben ihm den Impuls, sich darum zu bemühen, das Ganzen des Wedas in diesem Licht zu interpretieren. Das Ergebnis war, daß derselbe Sloka auf vielerlei Weise interpretiert worden ist. Aber keiner dieser Dolmetscher hat nicht einmal versucht, das Ganze oder den größeren Teil des Wedas zu interpretieren. Aus diesem können wir zu schließen wagen, daß der Schlüssel zur korrekten Interpretation der Vedischen Geheimnisse, bisher nicht gefunden worden ist. Alle tasten in der Dunkelheit herum.


2.

Welches ist dann der zu verfolgende Weg, für das rechte Verständnis der Wedas? Wir haben in dieser Hinsicht dasselbe Prinzip zu übernehmen, das den Schlüssel für alle alten Literaturen bildet. Wir müssen notwendigerweise mit den Texten der Wedas vertraut sein, mit einem unvoreingenommenen Geist, leer von allen vorgefaßten Vorstellungen. Die Kommentatoren, die Erläuterer, die Grammatiker, die Rhetoriker treffen zusammen, um sozusagen eine Welt der Verwirrung zu schaffen. Weit davon entfernt, einen Zugang zum Allerheiligsten zu bekommen, verlieren wir uns in abschweifenden Irrgärten. Deshalb wurden wir eines Wissens aus erster Hand von den Wedas zu erlangen beraubt. Die Kommentatoren können höchstens Helfer sein. Wenn wir aber ihren Kommentaren zu viel Wichtigkeit beimessen, macht es sie zwangsläufig zu einem Hindernis. Zunächst ist es von höchster Wichtigkeit, die zentrale Vorstellung der Wedas, den Gesichtspunkt der Rischis zu kennen. Die Hilfe der Kommentatoren und der Erläuterer kann später, wenn wir in Details gehen notwendig sein. Unnötig zu sagen, das wir sicher sein können tödlich verwirrt zu werden, wenn wir zu den bitteren Kontroversen der Kommentatoren kommen. Somit müssen wir von Beginn an, mit den bloßen Texten der Wedas vertraut sein. Diese Methode ist auf alle Literaturen anwendbar. Wir müssen Dichtung im Original lesen, um ihren wahren Geist zu schätzen, alle Kritiken beiseite lassend. Denn Menschen, denen die Kraft des wahren Verständnisses für Dichtung geschenkt ist, werden in der gegenwärtigen Generation selten gefunden. Wir sind mit den Kommentaren zu den Werken Shakespeares und Kalidasas vertrauter, als mit ihren Originalen.

Jedoch um sich im zentralen Thema der Wedas Zuhause zu fühlen, ist die Methode der wir folgen sollten, vom Bekannten zum Unbekannten fortzuschreiten. In den Vedischen Texten stoßen wir oft auf einige wichtige Wörter, die keine Mehrdeutigkeit zulassen. Mit Hilfe der offensichtlichen Bedeutungen dieser Wörter, müssen wir die Verflechtung der teilweisen oder völlig obskuren Wörter herausfinden. In den Wedas gibt es solche Mantras (Beschwörungen), Sätze und Wörter in Fülle, die moderne Ideen reflektieren und dem heutigen Intellekt ziemlich vertraut scheinen. Es ist ratsam und vernünftig zugleich, solche offensichtlichen Bedeutungen zu akzeptieren. Es ist von keinem Nutzen, solche klare Bedeutungen beiseite zu lassen und abstruse Bedeutungen auf der Grundlage ringsherum zu suchen, daß es die Wedas sind mit denen wir umgehen, die Schriften des weißhaarigen Altertums. Ekam sad vipra bahudha vadanti (Die eine Wahrheit wird unterschiedlich von den Menschen des Wissens ausgedrückt) oder, tat Visno param padam..diviva caksuratatam (Das ist der höchste Status von Wischnu, wie ein in den Himmeln weitgeöffnetes Auge ) oder, Brhaspathi prathamam jayamano maho jyotisha parame vyaman (Brihaspati als ein großes Licht zuerst im höchsten Himmel geboren) -- die Bedeutungen dieser Wörter sind keineswegs obskur oder mehrdeutig. Sowohl die Bedeutungen als auch die Ideen, von denen diese Wörter erfüllt sind, sind ziemlich einfach und klar genug. Diese Ausdrücke übermitteln keinen Hinweis auf das Lispeln vom Kleinkind oder von einem Ureinwohner oder einem unzivilisierten Geist oder sogar von einem rituellen Geist. Hier finden wir Ausdrücke eines aufgeklärten, mit Wissen erleuchteten reifen Geistes, aus einer tiefen Verwirklichung der Wahrheit. Weder fehlt der gebührende Rhythmus noch der Reim. Weiter:

Codayitri sunrtanam cetanti sumatinam
yajnam dadhe sarasvati.
Maho arnah sarasvati pra cetayati ketuna
dhiyo visva vi rajati. (I.3.11,12)
"Sie, das Flügelrad zu glücklichen Wahrheiten, Erwecker vom Bewußtsein richtiger Mentalisierungen, Saraswati, bewahrt das Opfer.
"Saraswati, erweckt durch die Wahrnehmung im Bewußtsein, die große Flut (die gewaltige Bewegung des rtams) und erhellt alle Gedanken völlig." (Übersetzt von Schri Aurobindo)

Auch in diesem Fall ist die Grundidee nicht etwas Abstruses. Es ist gesunder Menschenverstand, daß das Thema mit der Erfahrung der Wahrheit, der spirituellen Verwirklichung und der psychologischen Idee verwandt ist. Acharya Sayana war im Irrtum, diese wenigen Slokas im Licht von Naturphänomenen und Opferzeremonien zu interpretieren, so sehr, daß er sowohl unser Gelächter, als auch unser Mitleid erregt. Wir kennen Saraswati als die Gottheit des Wissens. So ist es natürlich, daß die Wörter shiyavasuh (einer dessen Reichtum aus reinem Intellekt besteht), dhiyo visvah (Universalintellekt) oder Wörter wie sumati (richtige Gedankenbewegungen), auf Saraswati anwendbar sein sollten. Das Wort dhi (reiner Intellekt) ist bekannt. Aber solch eine offensichtliche Bedeutung diente nicht Sayanas Zweck. So verwendete er karma (die Tat), d.h. die Tat des Überschüttens, als Synonym für dhi. In einer anderen Stelle die Mitra und Varuna betrifft, ist gesagt worden, daß diese zwei Götter sich solches dhi dachten, wie es ghrtacim ist, "beschmutzt mit ghrta" (dhiyam ghrtacim sadhanta -- 1.2.7). Aber entsprechend dem Dolmetscher Sayana, bedeutet die Phrase dhiam ghrtacim den Regen, der Wasser gießt! In irgendeinem anderen Kontext (1,14,6) sagt Sayana selbst, daß es sein kann, daß die Wurzel ghr auch meint: "etwas glänzend zu machen"; so daß die einfache Bedeutung von dhiyam ghrtacim der "aufgeklärte Intellekt" ist. Aber Sayana bevorzugte das Wort ghrtam (geklärte Butter), als Wasser und Regen zu interpretieren. Wenn wir auf den Kontext verweisen, wo Sayana ghrta als 'Glanz' erklärt, wird es uns klarer, daß dieser Glanz nicht einmal das physische externe Licht ist; es bezieht sich auf die innere Erleuchtung. Dort ist (1,14,6) Agni (Feuer) 'einer mit einer funkelnden Vorderseite' genannt worden; auch ein anderes Adjektiv, nämlich manoyujah, ist zusammen mit diesem Adjektiv verwendet worden; es bedeutet, daß Agni mit Hilfe des Geistes unter Kontrolle gebracht werden muß. Diese reine Wahrheit ist woanders vom weisen Vischwamitra ausgedrückt worden: "Das Entzünden des Vaischwanara Feuers mit Hilfe des Geistes." Agni ist kavi-kratu. Sayana selbst hat das Wort kratu mit Machen oder Tun erklärt. Wir würden es gerne Tatkraft nennen -- das griechische kratos. Also würde kavi-kratu bedeuten: jemand der mit Tatkraft ausgestattet ist, das kreative Genie. Es ist gut bekannt, daß der Kavi, der Dichter, ein Schöpfer ist. Der Weda hat den Beinamen kavi sowohl auf alle Götter, als auch auf einen Menschen angewandt, der das göttliche Wissen erlangt oder verwirklicht hat. Agnih kavikratuh bedeutet die dynamische Visionskraft. Aber diese einfache Bedeutung läuft auf einen tiefen spirituellen Begriff hinaus und hört auf das Feuer zu sein, womit wir vertraut sind; das ist warum Sayana 'Kavi' als 'Kranta' erklärt, -- und 'Kavi Kratu' als den, der die Opferhandlung leistet. Wir führen einen anderen Fall an. Er ist uns allen bekannt -- ich spreche vom Gayatr Mantra: tat saviturvarenyam Bhargo devasya dhimahi, dhiyo yo nah pracodayat (Lasse unsere Intelligenz auf dem geliebten Licht dieser kreativen Gottheit verweilen, die Sonne, die der Schöpfer ist, so daß sie uns mit der richtigen Intelligenz ausstatten kann. Rigveda 3.62.10). Es ist in der Upanischade eindeutig bestimmt: "savitre satyaprasavaya" (die Sonne ist der Ursprung der Wahrheit). Weiter sind die Sonne des Wissens und das Licht des Wissens keine uns unvertrauten Ausdrücke. Wir benutzen immer solche Vergleiche und Allegorien. Wenn die vedischen Weisen jemals solch einen Vergleich benutzten, dann um für etwas gehalten zu werden, das bloße Naturphänomene beschreibt? Zuletzt können wir der Versuchung nicht widerstehen, einen anderen Fall zu zitieren. Dies dient als ein typisches Beispiel, in welchem Ausmaß eine ziemlich einfache Idee verdreht werden kann. Und sie ermöglicht uns anzuerkennen, welch schreckliche Ungerechtigkeit der Weda in den Händen der Kommentatoren erleiden muß. Die Phrase amrtasya vani, die im Weda gefunden wird, sollte als die ganze Essenz des Wedas gelten. Aber wissen Sie, welche Bedeutung Sayana ihr zugeschrieben hat? Er hat amrtasya vani (die Botschaft der Unsterblichkeit) als Wasserstrom übersetzt. Können wir mit ihm übereinstimmen? Was wir tatsächlich sagen wollen ist, daß der Weda der Ausdruck von jogischen Verwirklichungen, spirituellen Erfahrungen ist, der Kenntnis der endgültigen Wahrheit. Es ist auf diese Art, daß wir den Grundbegriff und das esoterische Geheimnis vom Weda entdecken können. Wenn wir diesem Kurs folgen, werden wir finden, wie leicht und konsistent die Bedeutung des ganzen Wedas sich entfaltet und glasklar wird. Ohne Zweifel wird es an Stellen, wo wir uns in kleinste Details vertiefen wollen, Anlässe für Ungewißheit und Verwirrung geben. Aber es wird sich nicht als Hindernis zum Begreifen der Grundwahrheiten des Wedas erweisen, sofern wir die Aufmerksamkeit unserer Intelligenz darauf richten können. Können wir nicht jeglichen Zugang zum Mahabharata wegen Vyasakutas haben? 1)
(die von Vyasa entworfenen knotigen Ausdrücke). Wenn wir außerdem die esoterische Basis des Wedas zugeben, bekommen wir einen vernünftigen Schlüssel dafür, warum der Weda in solch hoher Wertschätzung, in der Kultur und Erziehung der Hindus gehalten wird.

1) Als der Weise Vyasa Ganesh ein Ersuchen machte, seine Version des Mahabharatas aufzuzeichnen, stimmte dieser unter der Bedingung ein, daß er nicht damit aufhören sollte zu schreiben. Der Weise stimmte ein, sofern Ganesh seine Wörter nicht nur schreiben, sondern auch verstehen würde. Es wird gesagt, daß um Zeit für die Komposition zu gewinnen, der Weise einige knotige Ausdrücke verwandte, so daß Ganesh Zeit brauchte, um sie zu verstehen.

Im Moment, wo wir die Wedas aufnehmen, werden wir mit einem Gemisch von Verwirrungen konfrontiert. Spiritualität, philosophische Ideen, mystische Wörter, zauberhafte Sätze, farbige Phrasen, physische Bilder, sind überall verstreut. Ausdrücke von dem, was uns als spirituelle Wahrheiten erscheint, werden dort nebeneinander mit zeremoniellen, naturhaften, historischen, geographischen, sozialen, sogar chemikalischen und anderen Ideen untergebracht. Jetzt kann sich die Frage ergeben, welche Ideen sind grundsätzlich und welche sekundär, welche sind die Wurzeln, welches die Zweige. Die westlichen Gelehrten sind nicht bereit, spirituelle und philosophische Bedeutungen in den Wedas gutzuheißen, denn sie fürchten, daß dadurch ihre Lieblingstheorien zu Staub zerfallen könnten. Sie sagen, daß es kein Wunder ist, wenn im Verlauf der Naturverehrung, als die Rischis Gebete zu den waltenden Naturgottheiten machten, Ausdrücke von philosophischen Ideen von ihren Lippen sprangen. Diese Gelehrten sind der Ansicht, daß die Rischis nicht meinten was sie sagten. Wenn wir mit unserem modernen Geist versuchen, dort abstrakte und philosophische Wahrheiten zu entdecken, dann kommt das einer Auferlegung von modernen Ideen auf jene der einstigen Rischis gleich. Jedoch ist es ihnen nicht gelungen, eine zusammenhängende, systematische und plausible Interpretation des Ganzen des Wedas zu geben. Der große Max Müller ist ein schlagendes Beispiel für den Fehler dieser Methode. Er hatte das Wort 'Paramahansa' mit 'die große Gans' übersetzt! Es ist ganz unvermeidlich, daß solch eine wörtliche Übersetzung des Wedas, keine Lösung bringen kann.

Sayana hat eine zeremonielle Interpretation des Wedas gegeben. Dennoch hat er keine andere Interpretation verboten. Er hat eindeutig zugegeben, daß eine spirituelle Interpretation durchaus möglich ist. Nicht nur das, an vielen Stellen hat er alternative spirituelle Interpretationen angehangen. Sogar an Stellen, wo eine andere Interpretation überhaupt nicht plausibel erschien, hat er allein zur spirituellen Interpretation gegriffen. Sei es wie es mag, Sayana war zur zeremoniellen Interpretation entschlossen. Er machte es zur Regel, diese Interpretation hereinzubringen, um zu zeigen wie ein bestimmtes Opfer auszuführen war; er nahm beim Weda nur Zuflucht, um Opferzeremonien in der Gesellschaft einzuführen. In der Tat hatte er ein bestimmtes Ende in Sicht, dem er seinen Weg entsprechend folgte. Nicht nur bei Sayana, sondern auch im alten Buch über Grammatik, Nirukta, stoßen wir auf Spuren spiritueller Interpretation. Lassen Sie uns hier nur ein Beispiel anführen: sarira-madhyavarti ... (Indra als der Kenner des Feldes {die Natur} bestimmt, als Leben, das sich im Körper befindet) Dies ist eine der Interpretationen des vom Autor Nirukta gegebenen Wortes 'Indra'.

Aber tatsächlich sind die Wedas nicht lediglich literarische Werke; sie sind Aphorismen für spirituelle Praxis. Und der, der ohne spirituelle Erfahrungen ist, hat kein Recht sich an den Wedas zu schaffen zu machen. Was unbedingt nötig ist, ist die Läuterung des Herzens. Wir wollen die Bedeutung der vedischen Sprache durch Abhandlung und haarspalterische Argumente bestimmen, aber wir kennen die esoterische Bedeutung nicht, noch versuchen wir an sie zu gelangen, von der aber die Sprache der äußere Ausdruck ist. Wir haben lange schon die spirituelle Praxis verloren, auf der die Geheimnisse der Wedas begründet sind. Also ist es kein Wunder, daß dieses Argumentieren uns irreführen sollte. Diese Wahrheit ist schon von der Upanischade erklärt worden: naisa tarkena matirapaneya ("Diese Weisheit kann nicht durch Argumentieren gewonnen werden").

In der Tat müssen wir zuerst einen Zugang zu den Upanischaden haben, nur dann können wir hoffen, die esoterischen Wahrheiten der Wedas zu verstehen. Es ist die Upanischade, die behaupten kann, die erste Darstellung und der erste Kommentar der lebendigen Ideen der Wedas zu sein. Die Upanischade ist spirituelle Verwirklichung, überphysische Erfahrung, mystische Wahrnehmung und innere Vision. Die Katha Upanischade hat eindeutig angezeigt: sarve weda yatpadamamananti ... 2) ("der Ort oder das Ziel, das alle Wedas glorifizieren und das die Askese deklariert, um dessen die Menschen ein heiliges Leben führen, von dem werde ich dir in kleinem Umfang erzählen. Om ist dieses Ziel, O Natschiketas ". Übersetzt von Schri Aurobindo)

Wir haben schon gesagt, daß die Seher der Upanischade die Vedischen Mantras wieder und wieder anführten, während sie ihre eigenen philosophischen Wahrheiten darlegten. Also ist es ganz vernünftig, wenn wir den Weda auf dasselbe Verhältnis mit ihrer spirituellen Philosophie stellen und ihn nicht als etwas betrachten, ausschließlich mit der Natur und den Zeremonien umzugehen. Zum Beispiel, dva suparna ... ("Zwei Vögel, mit schönen Flügeln, enge Begleiter, sitzen auf einem gemeinsamen Baum; von den Beiden ißt der eine die süße Frucht des Baumes, der Andere ißt nicht, sondern beobachtet seinen Kameraden " Übersetzt von Schri Aurobindo).

2) Schankara hat die Wörter sarve vedda als "ein Teil der Wedas" erklärt, d.h. der Upanischaden. Aber wie kann sarve ("das Ganze") ein Teil werden? Schankara betrachtete die Wedas als etwas zeremonielles, rituelles und opferhaftes. Daher mußte er eine verzerrte Erklärung geben.

Dieser sloka der Mundaka Upanischade ist leibhaftig von den Mantras (1.164.20) Dirghatamas, dem Rischi vom Rigveda genommen. Oder nehmen sie agne naya supatha ...("O Gott Agni, alle Dinge kennend die manifestiert sind, führe uns beim guten Pfad zum Glück; entferne von uns die gewundene Anziehung der Sünde. Dir möchten wir die vollständigste gehorsame Rede zuordnen."). Diese letzte Äußerung der Ischa Upanischade, beruht auf einem Mantra im Rigveda. Rischi Agastya beginnt seine Agni Sukta [Hymnen zum Mystischen Feuer] (1,189) mit diesem Mantra. Auf diese Art haben die Upanischaden liberalen Gebrauch von unzähligen Vedischen Mantras gemacht. Kein Zweifel, die Upanischaden wiederholen die Vedischen Mantras nicht immer genau. Aber die Worte und Ideen sind sogar dort so ähnlich, daß wir ohne Schwierigkeit sagen können, daß sie dieselbe Schau des inneren Selbstes besitzen.

Vedaham etam purusam ... ("ich kenne diesen Höchsten Puruscha vom Licht der Sonne, jenseits der Dunkelheit." ). Wir wissen alle, daß dies eine berühmte Äußerung der Upanischade ist. Aber wissen wir, daß es ein bloßes Echo des Vedischen Mantra udvayam tamasasparis ist? ... [1.50.10] ("Wir haben das Höchste Licht über der Dunkelheit gesehen, wir haben den Gott unter den Göttern erreicht, die Sonne, das Höchste Licht."). oder hrda manisa ... [Katha Upanischade] ("im Herzen und im Geist und dem Übergeist sitzt Er"). Eine ähnliche Wahrheit, die wir auch im Weda finden: hrdi pratisya ... ("die Seher, die ihn im Herzen durch die supramentale Intelligenz wahrnehmen"). Oder Indraya manasa manisa pratnaya... [Rigveda 10.129.4] ("Die Denker läutern ihren Intellekt durch den Geist für ihren Herrn, den uralten Indra"). Haben die Wedas die psychologische Persönlichkeit Indra's, nicht in diesen wenigen Wörtern dargelegt?

Weiter, die wenigen Wörter von Vischwamitra, die wir schon über Agni angeführt haben: vaisvanaram manasagnim nicayya ... ("das Feuer, die Universalgottheit, durch den Geist wahrnehmend") sind von der Upanischade erklärt worden: svargyamagnim naciketah prajanan ... ("Lausche mir und verstehe, O Natschiketas; ich erkläre dir diese himmlische Flamme, denn ich kenne sie. Wisse, daß dies der Besitz unendlicher Existenz und das Fundament ist und das verborgene Ding, in der geheimen Höhle unseres Wesens." Übersetzt von Schri Aurobindo).

Es gibt unzählige, den Wedas und Upanischaden gemeinsame Wörter, die Andeutungen von solchen abstrusen tiefen Ideen übermitteln: satyam (Wahrheit), rtam (Recht), amrtam (Unsterblichkeit), brhat (Weite), dhi (Wissen) und jyoti (Licht). Die spirituellen Bedeutungen solcher Wörter, welche die Upanischaden entdeckt haben, sind wahrscheinlich in den Wedas in ihrer Anwendung nicht verschlechtert worden. Zu meinen, daß die Wedas diese im gewöhnlichen Sinn verwendet haben, muß eine falsche Ansicht sein. Zu sagen, daß die Upanischaden nur die Wörter von den Wedas, aber nicht ihre Bedeutung übernommen haben und materialistische Wörter mit spirituellen Bedeutungen verwendet haben, ist unserer Ansicht nach nichts als ein Vorurteil. Die Upanischaden sind voll mit Wörtern der Wedas und sie haben sie wiederholt so passend benutzt, daß es zweifelhaft ist, ob die Upanischaden sie in dieser Weise hätten verwenden können, hätte es keine solche, ihnen schon beigefügte Bedeutung gegeben. Die Schwingung der Wahrheitsverwirklichung, mit welcher jedes Wort, jedes Mantra von den Wedas widerhallt, konnte nicht von den Ohren der Grammatiker unseres Landes oder jener der europäischen Gelehrten eingefangen werden.

Von den Upanischaden nicht zu sprechen, wir stoßen sogar in den Puranas, dem Mahabharata und solch anderen Heiligen Schriften auf viele Eigentümlichkeiten, die es Wert sind beachtet zu werden. Wenn wir diese religiösen Bücher von uns nur sorgfältig studieren, erfahren wir, daß es viele Namen, Stellen, Geschichten und Legenden gibt, die nichts anders sind, als äußere Umkleidungen oder Transfigurationen von einigen Wahrheitsprinzipien. Ein oder zwei Beispiele dienen unseren Zwecken. Entsprechend den Puranas ist der Name von Surya's Frau samjna - "Bewußtsein." Wenn wir die vedische Bedeutung von Surya als die Quelle der Wahrheit akzeptieren, dann wird es uns nicht schwer fallen, die Bedeutung von diesem Wort zu verstehen. Lassen Sie uns wiederum das Wort "Goloka" nehmen. Goloka ist der Wohnsitz von Wischnu. Wenn wir das Wort "go" für Licht nehmen, das Licht des höheren Wissens, kann 'devanamauparistacca gavah pratisvasanti vai' ("die Strahlenkühe wohnen sogar über den Göttern"), uns nicht mehr abstrus oder mehrdeutig bleiben.

Jetzt fesselt die Legende von Savitri-Satyavan unsere Aufmerksamkeit. Die eigentlichen Namen Savitri und Satyavan erwecken sofort Wahrheiten. In den Wedas ist die Wahrheitssonne mit Savitr synonym. Als Puruscha ist er Satyavan und Savitri ist seine Schakti. Jeder Aspirant kennt die Tatsache, daß es das eigene Vertrauen und die Kraft der Wahrheit ist, die die Wahrheit vom Griff der Materie, Unwissen und Tod befreien können. Jedoch mag man nicht glauben, daß was auch immer die Puranas sagen, auf der einen oder anderen Wahrheit basieren muß. Dennoch zögern wir nicht zu behaupten, daß im Kern der Lehre der Puranas, ein Wahrheitsgeheimnis - eine vedische oder upanischadische Verwirklichung liegt. Die Puranas haben auch eine esoterische Bedeutung, basierend auf der Wahrheit der vedischen und upanischadischen Verwirklichungen, die in der Form von Geschichten und Legenden für das leichte Verständnis der Massen, sehr farbig verwandt worden sind.

Sicherlich können die Puranas nicht als Kommentare zu den Wedas akzeptiert werden. Nein, nicht einmal die Upanischaden können die Behauptung erbringen das zu sein. Die Wedas allein sind die korrekten Kommentare zu den Wedas. Und um die Wedas zu verstehen, kann kein anderes Buch unser Führer außer den Wedas sein. Kein Zweifel, die Upanischaden stehen ihnen ziemlich nahe und sie besitzen die vedischen Ideen in reichem Maße. Aber zur gleichen Zeit müssen wir wissen, daß die Unähnlichkeiten auch nicht unbedeutend sind. Beim Begriff der Materie in den Wedas und dem Begriff des Spirits in den Upanischaden, können wir doch sicher sein, - selbst wenn wir kein verbindendes Glied zwischen den beiden finden, daß sie die zwei Prinzipien der einen Spiritualität der Wedas und der Upanischaden sind. Um es noch einmal zu wiederholen, wir sollten uns zuerst darum bemühen, die leichten und klaren Teile der Wedas zu verstehen und dann versuchen, ihre abstruseren und obskureren Wahrheiten zu entdecken. Und wir haben versucht, unseren Lesern zu erklären, daß die hier versuchte Interpretation, die spirituelle Interpretation, eine Interpretation des Grundprinzips des Wedas bedeutet. Aber dafür erhebt sich die Notwendigkeit der richtigen Einstellung, sich die Dinge und ihr richtiges Verständnis anzusehen. Jene, die an die Wedas mit einem gewöhnlichen Intellekt, zur bloßen Befriedigung einer intellektuellen Neugier herangehen, werden kaum in der Lage sein, die wahre Bedeutung der Wedas zu begreifen. Was sagt der Weda selbst über die Rischis? rtasapa asantsakam...( Wächter der Wahrheit, sind sie mit den Göttern und sprechen die Wahrheiten mit ihnen). Sie waren Kenner der wahren Natur der Wahrheit und sie pflegten mit den Göttern durch den Austausch von Wahrheitsprinzipien zu kommunizieren. Deshalb ist die Studie der Wedas dem Teil von Jenen vergeblich, die keine Aspiration oder kein Suchen für das Erlangen der Wahrheit haben, - ein Säen in der Wüste.


3.

Der Gesichtswinkel, aus dem die Europäer die Wedas betrachten, muß bis zu seinem Anfangspunkt in der modernen Evolutionstheorie verfolgt werden. Europa ist ein Opfer dieser Theorie gewesen. Es hat den ganzen Ausblick von Europa bestimmt. Evolution bedeutet allmähliche Fortentwicklung. Mensch und die menschliche Gesellschaft erleben eine Änderung zum Besseren. Im Altertum war der Mensch nur wenig vom Tier entfernt. Seine Intelligenz entwickelte sich allmählich. Sein Verhalten ist ausgereift geworden. Auf diese Art ist er in das, was er heute ist gewachsen. Je mehr wir unseren Blick in die Vergangenheit werfen, desto mehr werden wir auf die ursprüngliche, primitive und unreife Natur des Menschen stoßen. Da die Wedas ihren Ursprung einer weißhaarigen Vergangenheit schulden, ist es unanzweifelbar, daß es keine solide philosophische Wahrheit und spirituelle Erfahrung in ihnen geben kann. Es ist umsonst nach etwas in den Wedas zu suchen, das den modernen wissenschaftlichen Geist befriedigen könnte. Daher endet jeder solcher Versuch in vollkommenem Misserfolg.
(Nolini gibt hier die Auffassung der modernen Wissenschaft wieder A.d.Üb.)

In modernen Zeiten sind jene bloßen Wissenschaftler, einem von unwiderlegbaren Beweisen unterstützten anomalen Phänomen gegenübergestellt. Viele wissenschaftliche Theorien werden von neuen Entdeckungen umgeworfen. Archäologische Ausgrabungen haben mehr und mehr Beweise alter Kultur und Bildung bereitgestellt. Diese Entdeckungen beweisen, daß die Menschen des Altertums in ihren geistigen Fähigkeiten, in Bildung und Kultur nicht im mindesten unreif waren. Im Gegenteil, wir finden in ihnen Zeichen von überlegenen Qualitäten und Bestrebungen. Sonderbarerweise sind diese archäologischen Funde an den Stellen gefunden worden, die bisher von uns von Barbaren bewohnt angenommen wurden. Die wunderbaren künstlerischen Werke und Reste von wissenschaftlichen Erfolgen, auf die wir unter den in den dichten Wäldern von Amerika, im Pazifischen Archipel, unter der Wüste von Zentralasien gemachten Entdeckungen stoßen, haben kaum irgendeine Parallele in diesem viel gerühmten wissenschaftlichen Zeitalter. Die Ägypter und die Babylonier haben eine Tradition geschaffen. Aber die weißhaarige Vergangenheit ihrer Quelle wird gerade enthüllt. Es wurde angenommen, daß Griechenland die Triebfeder europäischer Kultur und Zivilisation ist. Aber daß eine noch zivilisiertere Rasse die Nachbarinsel Kreta bewohnte, kann jetzt keineswegs geleugnet werden. Die älteren Zivilisationen von Atlantis, Sumer, Akkad, der Azteken, Mayas und Tolteken, scheinen nicht mehr bloße poetische Phantasie zu sein. Wir werden von solchen erstaunlichen prähistorischen Erfolgen von Staunen ergriffen. Wir können kaum behaupten, daß wir eine Kultur und Zivilisation besitzen, die ihrer überlegen ist. Entsprechend der biblischen Erklärung, kam die Welt vor nur viertausend Jahren zur Existenz. Diese Erklärung hatte unerwartet ihren Stempel auf dem Verstand der europäischen Gelehrten gelassen. Zur Zeit kann das Alter des zivilisierten Menschen selbst, nicht vom Alter der Welt oder des Aufkommens des Menschen zu sprechen, über ein Lakh (ind. Zeitmaß) von Jahren plaziert werden.

Da es in der Natur Evolution gibt, ist es ganz natürlich, daß es im Menschen ebensogut Evolution geben sollte. Aber die Vorstellung der Wissenschaftler, innerhalb derer sich Evolution in einer geraden Linie fortsetzt und in einer kurzen Periode wahrnehmbar ist, ist zu Staub zerfallen. Wir haben jetzt begonnen zu verstehen, daß sich Evolution in einer spiralförmigen Zickzackbewegung, durch Aufstieg und Fall, in Vorwärts - und Rückwärtsbewegungen fortsetzt. Und das Ausmaß dieser langsamen Bewegung kann kaum wahrgenommen werden. Wir gehen in Wirklichkeit dahin, die indische Konzipierung der Zeit zu erkennen, nämlich Zeitalter und Zyklen durch einige große Schöpfer (Manus) beherrscht. Als Ergebnis haben wir Dinge entdeckt, die dem unentwickelten, unreifen und alten Geist unserer Konzipierung nicht entsprechen. So sind einige Wissenschaftler und Philosophen der Ansicht, daß die Menschen des Altertums von denen wir wissen, auf der Abwärtskurve einer höheren, uns unbekannte Zivilisation waren.

Wenn wir annehmen, daß der Mensch eine ausreichend alte Kreatur auf Erden ist und das seine Evolution in einer spiralförmigen Bewegung verläuft, kann die Erklärung, daß die Arier des vedischen Zeitalters nicht hochfortschrittlich waren, für keine unanzweifelbare Wahrheit gehalten werden. Natürlich gibt es keine feste und schnelle Regel, daß Bildung, Kultur und Realisierung des vedischen Zeitalters, jenen moderner Zeiten ähnlich gewesen sein sollte. Aber ihre weit sich unterscheidenden Ausblicke und Aktivitäten, müssen unseren nicht unterlegen sein. Genau sind Valmiki und Rabindranath (Tagore) nicht Ebenbürtige desselben Korns. So betrachtet können wir Rabindranath bestimmt keinen höheren Status zuteilen. Die vedischen Seher einfach als den modernen Wissenschaftlern unterlegen zu betrachten, weil sie diesen nicht ähneln, ist nichts als purer Aberglaube.

Tatsächlich liegt hier die größte Torheit der Anhänger der Moderne. Wir versäumen zu erfassen, daß es eine Zeit gab, als diese alte Kultur so lebendig war, wie die von Heute. Wie die Europäer uns wegen unseres bloßen Körpers, mit Händen essend und solch anderen Gewohnheiten für Bauern hielten, so schließen wir auch aus den Wörtern, go (Kuh), asva (Pferd), somarasa (Wein) und devas (Götter) ect., daß die Vedischen Seher nichts anderes als Primitive waren. Denn in unserer Vorstellung sprechen Menschen von Wissen, nicht von solchen materiellen Themen. Sie würden eher mit metaphysischen Diskursen und wissenschaftlichen Forschungen umgehen. Wir wollen den Gärstoff im Gehirn der Menschen des Altertums, durch den unseres Eigenen messen. Wir vergessen die bloße Tatsache, daß sie eine eigene Kultur hatten, die nicht mit unserer übereinstimmen muß. In der Tat war die Wahrheit, zu der die Menschen des Altertums gelangt sind, nicht das Ergebnis die eines banalen Dingen gegebenen Intellekts. Eher kann die Kritik auf unseren heutigen Intellekt angewandt werden.

Der Prozeß syllogistischer Überlegung, mit der wir normalerweise versuchen zur Wahrheit zu gelangen, war nicht ihre Methode. Sie hatten eine direkte Wahrnehmung der Wahrheit. Sie pflegten die Wahrheit zu leben, die sie realisierten. Außer dieser rationalen Fähigkeit hat der Mensch andere Fähigkeiten, die zugleich subtiler, tiefer und weiter sind. Diese überlegenen Fähigkeiten zu entwickeln, so daß man die endgültige Wahrheit realisieren und leben kann, war das einzige Ideal des Vedischen Rischis. Das Hauptinstrument ihres Wissens waren weder die Sinne, noch der Verstand oder der Intellekt, sondern der subtile konzentrierte Einblick und die Wahrnehmung des inneren Wesens. In ihrer Introspektion (Hineinsehen A.d.Üb.) zum Entdecken dieser fundamentalen Wissensmacht, sagt die Kena Upanischade, "von wem veranlaßt, trifft der Verstand sein Ziel? (Der englische Text von Sri Aurobindo lautet: "By whom missioned, the mind falls shot to its mark." Wobei ich shot für einen Druckfehler halte, und mit short übersetzt habe. A.d.Üb.) .. Das, das hinter dem hörenden Verstand vom Geist, das Wort hinter der Sprache hört, ist auch das Leben vom Lebensatem, das Sehen hinter der Sicht." (Wenn man sehr tief in sich hineingegangen ist, kann man die Erfahrung machen, daß man das Gesprochene nicht mehr mit dem Verstand hört und versteht, sondern durch eine Art Intuition, das trifft selbst auf Sprachen zu, die man sonst nicht verstanden hätte. Wie z.b. die Tiersprache, aber auch Sprachen anderer Völker. Die Evangelien berichten auch von solch einem Vorfall, wo die Jünger in 'vielen Zungen' redeten, das weist auf die hier genannte Behauptung hin und triftt auf alle Sinneserfahrungen zu. A.d.üb.)

Die alten Seher gingen mit supraphysischen Wahrheiten um. Die moderne Wissenschaft und Philosophie handeln mit abstrakten Begriffen. Aber diese Begriffe sind vom rationalen Intellekt geboren. Wir mögen sie Theorien nennen, gut arrangiert und systematisiert, daher nichts außergewöhnliches. Aber die alten Seher realisierten die transzendente Wahrheit und versuchten ihre Macht auszudrücken. Es gibt ein Spiel der Kraft hinter der Welt der Phänomene, welches sich sofort in immer subtilere Formen auflöst und aus den tiefsten Ebenen zu den gröberen Manifestationen aufsteigt. Die Seher von einst waren gewohnt, den Ursprung und die Natur all der verschiedenen Stufen von subtilen Formen zu studieren, die sie in ein System strickten. Aufgrund ihres spirituellen Einblicks entdeckten sie, daß die Welt aus verschiedenen Ebenen der Existenz besteht, - Spähre nach Sphäre, die sich vom Groben bis zum Subtilen erstreckte, Gipfel nach Gipfel in einer aufsteigenden Ordnung. Eine Existenz läuft durch sie alle. Das höchste Wesen ist dort in jedem Teil. Die Kraft des gleichen Wesens, wirkt in jedem und jedem Teil und unterscheidet sich in Form und Funktion in verschiedenen Manifestationsebenen. Dennoch gibt es aufgrund der Tatsache, daß alle Werdeformen und ihr Dynamismus von einem fundamentalen Wesen ausgehen, eine Symmetrie. Die Wahrheit auf einer Ebene ist wieder auf anderen Ebenen reflektiert, denn es ist dieselbe Kraft des Höchsten Wesens, das von den subtilsten zur allergröbsten Manifestation zieht. Also gibt es in der Natur aller Existenzebenen eine Parallelität.

So zum Beispiel, wenn die Vedischen Seher von Feuer sprechen, meinen sie etwas, von dem die äußere Form Feuer ist und das selbst in seiner subtilen Form tejas (leuchtende Energie) ist. In der spirituellen Welt wird es in seiner subtileren Form energetisch wirkendes Bewußtsein genannt. Ebenso ist die Sonne, regelmäßig und simultan, Licht, die Kraft von Enthüllung und Wissen. Wenn die Vedischen Seher sagen, idam srestham jyotisam... (Dies ist das von allen Lichtern höchste Licht; es ist gekommen; das Höchste Wissen, schön und unterschiedlich, gewaltig und alles durchdringend, ist geboren worden), benutzen sie die äußere Morgendämmerung, um auf irgendeine subtile Morgendämmerung hinzuweisen. Sie konnten sich die ganze Schöpfung in ihrer Gesamtheit vorstellen. Das ist, warum ihre Erkenntnisse den Stempel der Ganzheit hatten, der auf alle Ebenen und Phasen der Schöpfung angewandt werden kann. Wir Modernisten schauen auf Wahrheit als etwas, das ganz vom Intellekt verständlich ist. Wir plazieren sie syllogistisch und verstehen sie Teil für Teil gesondert. Die Menschen des Altertums pflegten die Wahrheit durch die Fülle ihres Herzens zu ergreifen, dem inneren Wesen. So konnte sie sich als eine unteilbare Darstellung von banalen Formen und supraphysichen Begriffen manifestieren. Für uns hat die Wahrheit drei deutliche Formen in den materiellen, vitalen und geistigen Welten. Jede ist von der Anderen unterschiedlich und hat eine eigene Definition. Aber der Blickpunkt der Vision der alten Seher, war nicht von solch einer analytischen Art. Ihre synthetische Realisierung offenbarte solche Mantras als bestehende Essenz aller Ebenen.

Im Prozeß der Natur, in der materiellen Welt und in ihren Aktivitäten sahen sie nicht etwas banales und materielles, sondern fanden in ihnen eine Spiegelung der Übernatürlichen. Es kann gefragt werden: wenn die äußeren Formen bloße Symbole wären, warum ist dann der Weda so reich an ihnen und warum ist ihnen so viel Wichtigkeit gegeben worden? Wir müssen dann wegen der Symbolik bei den Menschen des Altertums anfragen. Hier in dieser Verbindung wollen wir nur erwähnen, daß die Sprache der Menschen des Altertums, aus ihrem Herzen zu fließen pflegte. Sie war keiner intellektuellen Überlegung unterworfen und war nicht wie die von heute analytisch. Die Sprache war einfach ein Symbol ihrer direkten Erkenntnis. Alle Sprachen stammen von den Wahrnehmungen der Sinne und den Emotionen des Herzens ab. Der innere Drang wurde in der Sprache der Menschen des Altertums intakt gehalten. Die Sprache und ihre direkte Wahrnehmung wurden nicht von syllogistischer Überlegung abgefangen. Also pflegten die subtilen Erfahrungen, wenn in Sprache ausgedrückt, die entsprechenden äußeren Wahrnehmungen ebensogut mit sich zu bringen. Die Zeremonien und die Opfer sind aber Symbole von Innen-Erfahrungen. Entsprechend der Chandogya Upanischade: der Himmel, den wir im äußeren Raum sehen, ist auch in unserem inneren Herzen. Beide, der Himmel und die Erde, sowohl Agni als auch Vayu - alle sind in unserem inneren Herzen konzentriert. (Im westlichen Denken ist das Sprichwort: "Wie oben, so unten" damit vergleichbar. A.d.Üb.)

Auch in der Katha Upanischade stoßen wir auf dieselbe Äußerung: "Was auch immer da in der Innenwelt ist, wird ebensogut hier gefunden. In alten Zeiten, nicht nur in Indien, sondern in allen Ländern der Welt war Symbolik in Mode. Wir können nicht durch jene Symbole lesen. Deshalb betrachten wir sie als Schwarzmagie oder ländliche Sitten der Unzivilisierten. Wir können teilweise das politische und künstlerische Genie von Ägypten schätzen. So betrachten wir es zeitweise der unseren als gleich oder überlegen. Aber wir sind außerstande, sein spirituelles Genie zu begreifen. Daher zögern wir nicht, es zum Niveau des Barbarismus zu degradieren. Wir haben kaum irgendeine spirituelle Erkenntnis. Was wir verstehen ist im besten Fall Moral. Wir bewundern die Kunst und Literatur von Griechenland sehr. Aber in Hinsicht griechischer Spiritualität ist unser Wissen auf Sokrates beschränkt. In der früheren Zeit griechischer Zivilisation, gab es einen Strom von tiefer spiritueller Kultur und was sie die Mysterien nannten, waren nur Mysterien von spiritueller yogischer Disziplin. Wir fehlen zu verstehen, daß die Wasserverehrung von Thales und die Feuerverehrung von Heraklit, nicht lediglich verschiedene Aspekte der Naturverehrung waren. Wir glauben nicht gerne, daß diese Begriffe "Wasser" und "Feuer", überhaupt die Symbole von spirituellen Wahrheiten sein können. Wir studieren die Philosophien von Pythagoras und Plato, aber wir vertiefen uns nicht in die spirituelle Kultur oder den esoterischen Aspekt, von dem ihre Philosophien die äußeren Ausdrücke sind. Hinter den Mythologien von China, Japan, vom altertümlichen Amerika und Australien, liegt eine Wissenschaft spiritueller Disziplin, die von den Wissenschaftlern nicht erkannt werden mag, aber jene die Spiritualität üben, werden es nicht schwierig finden, sie zu entdecken.

Wir finden mehr Objektivität, als bloße Abstraktion in Sprache und Gedanken der Menschen des Altertums. Also scheinen sie zum Materialismus zu neigen. Aber tatsächlich basierten ihre abstrakten Ideen nicht lediglich auf syllogistischer Überlegung. Jene Ideen waren ihnen so lebendig, wahr, klar und manifest, wie ein materielles Objekt. Sie betrachteten die subtile Welt nicht als visionär, sie nahmen die subtile Welt eher für das raison d'etre der materiellen Welt. Also hatten sie keine Schwierigkeit, die subtilen Begriffe ihrer Erfahrungen durch äußere Symbole auszudrücken. Sogar wir, die Anhänger der Moderne, tun zeitweise dasselbe. Zum Beispiel muß der Dichter in der Dichtung zu Bildern und Allegorien greifen, um die tiefe und intensive Inspiration seines eigenen Herzens auszudrücken. Hat die Vaischnawa-Literatur nicht versucht, durch die Symbole irdischer Erfahrungen, supraphysischen Erkenntnissen Ausdruck zu geben?

"Ein Bündel Myrrhe ist mir mein Vielgeliebter; er soll die ganze Nacht zwischen meinen Brüsten liegen." - Salomon

Die Christen zögern nicht im geringsten, jenen Wörtern von Salomo eine abstrakte Bedeutung zu geben. Welches Geheimnis der Wandlung schreiben sie der Zeremonie der Eucharisten jetzt zu? Warum sollten dann rituelle Ausdrücke im Weda, als Zeichen äußerer Praktiken von Bauern betrachtet werden?

Anekdoten, Geschichten und Analogien sind in allen Zeiten und Gegenden für den Ausdruck subtiler Wahrheit verwendet worden. In modernen Zeiten haben wir erreicht, diese Praktik aus dem spirituellen Feld zu verbannen, im Reich der Dichtung ist es uns bisher aber noch nicht völlig gelungen.

Die Wedas haben ein eigenes spirituelles Geheimnis. Wir sagen nicht, daß wir es sind, die dieses spirituelle Geheimnis zum ersten Mal entdeckt haben. Was dies betrifft, haben wir schon auf Sayana und das Nirukta verwiesen. Sogar in diesem modernen Zeitalter gibt es manche, die sich darum bemüht haben, eine spirituelle Interpretation der Wedas zu präsentieren. Vielleicht ist Dayananda Saraswati der Pionier unter ihnen. Pundit Durgadas Lahiri und Dwijadas Dutt haben diesem Aspekt der Wedas viel Aufmerksamkeit geschenkt. Aber unsere spirituelle Interpretation unterscheidet sich stark von ihrer. In der Tat würden wir unsere Interpretation eher metaphysisch und nicht spirituell nennen. Dayanandas spirituelle Interpretation basierte auf der Doktrin vom Ischwara, Dwijadas auf der vom Brahman und Durgadas auf dem frommen religiösen Gefühl. Ohne Zweifel haben die Wedas all dieses. Aber diese Gelehrten haben die allgemeine Form der Spiritualität in den Wedas nur kurz aufgezeigt. Die Geheimnisse der Wedas sind viel tiefer und subtil. Der Weda ist eine yogische Wissenschaft, ein System der Wissenschaft und durch Yoga erworbenen Wissens.

Der eigentliche Name Weda ist selbsterklärend. Weda bezeichnet Wissen. Es ist von der Wurzel "vid" (zu kennen) abgeleitet. Der Weda verweist besonders auf die Eingliederung von diesem Wissen, das die Seele und Basis der Kultur, Bildung und Zivilisation der Hindus ist, den Indern, der ganzen arischen Rasse. Dieses Wissen wurde von einem Körper von Rischis genannten Anwärtern realisiert, - wo und wann, ist mit Gewißheit schwierig zu verfolgen. Und es ist die Folge von den Rischis, den Verwirklichern, die dieses Wissen aufrechterhalten, multipliziert und systematisiert haben. Der Weda wird anderweitig Schruti genannt, denn es wird gesagt, daß die Jünger von Generation zu Generation die vedischen Mantras von ihren Lehrern durch Hören erhielten und sie in ihrer Erinnerung bewahrten. Aber dies ist nur eine sekundäre menschliche Interpretation. Der wirkliche Grund, warum der Weda Schruti genannt wird ist, daß die Seher durch ein okkultes Hören diese mit Wissen schwangeren Mantras empfingen. Zu Zeiten konnten sie die Mantras während ihrer Meditation sehen. Daher werden sie die Seher von Mantras genannt und das von ihnen erworbene Wissen, läuft unter dem Namen Schruti (gehörte Dinge). Und dies gibt uns den Schlüssel warum angenommen wird, daß der Weda keinen menschlichen Ursprung und weder Anfang noch Ende hat. Das göttliche Wissen ist keine menschliche Schöpfung. Es umfaßt die Prinzipien der in der Schöpfung inhärenten Wahrheit und es wird für alle Zeit dauern. Die Seher sind lediglich die Instrumente für seine Manifestation.

Der Weda, wie wir ihn heute sehen, ist nicht in seiner Originalform. Ein mit Weda betiteltes ganzes Buch, wurde zu keiner bestimmten Zeit oder an keinem besonderen Ort verfasst. Die Mantras des Wedas wurden den verschiedenen Sehern, zu verschiedenen Zeiten und Orten offenbart. Sie wurden überall verstreut ohne systematisiert zu werden. Es war später, daß sie gesammelt und systematisiert wurden. Einige, nein, der größere Teil der Mantras kam nicht ans Tageslicht. Und es geschah auch, daß Mantras späteren Ursprungs, mit den früheren durcheinander gemischt wurden.

Die systematische Sammlung konnte ohne Zweifel, nicht sofort erreicht werden. Eine große Spezialität der spirituellen Disziplin der alten Seher ist dies, daß sie ihre spirituelle Disziplin als ein Körper fortsetzten. Es war Gewohnheit pluralistische Begriffe zu verwenden, wie: wir, sie alle, Freunde usw. Auf diese Weise verfolgten verschiedene Gruppen von spirituellen Suchenden, verschiedene Arten der Disziplin. Diese Kollektive bestanden aus den Meistern und ihren Jüngern oder einem Vorfahren und seinen Nachkommen. Auf diese Art wuchs der Weda zu unzähligen Zweigen, Unterzweigen und deren Abzweigungen heran. Der gegenwärtige Weda umfaßt nur einen beschränkten Teil jener Zweige. Der größere Teil des Wedas ist in Vergessenheit geraten. Also ist es kein Wunder, daß der Weda automatisch in Zweige entsprechend der Abstammung und Folge der Meister und ihrer Jünger geteilt wurde.

Später jedoch wurden alle verfügbaren vedischen Mantras vornehmlich in drei Gruppen eingeteilt, die als trayi (eine Gruppe von drei) - Rik, Sama und Yajur bekannt waren. Rik besteht aus Versen oder Gedichten; Sama aus Liedern; Yajur aus Prosawerken. Verschiedene Dinge wurden im Atharva gesammelt. Auf diese Art entwickelte sich der Weda zu vier Teilen.

Entsprechend den Puranas werden die Seher, die diese vedischen Mantras sammelten, Vedavyasas genannt. Sie sind sogar achtundzwanzig aufeinanderfolgende Vedavyasas, deren aufeinanderfolgende Bemühungen dem Weda seine gegenwärtige Form gaben. Der letzte Vadavyasa, der die Wedas in vier Teile teilte, ist Krishadwaipayana Vedavyasa, der Autor des Mahabharata. Und es ist gesagt, das in Zukunft ein anderer Vyasa namens Draunivyasa kommt, um den Weda noch einmal neu anzuordnen.

Es gibt Hinweise anzunehmen, daß die Mantras des Rigvedas für die Feuerverehrer und die Mantras des Samavedas für die Verehrer der Sonne und jene des Yajurvedas für die Verehrer von Vayu, dem Lebensprinzip bestimmt waren. Jedoch nehmen wir gegenwärtig davon Abstand, in die Details der Angelegenheit zu gehen. In den abschließenden Absätzen werden wir bemerken, ob ungeachtet dessen die Klassifizierung der Wedas, von den verschiedenen Methoden spiritueller Disziplin in irgendeiner Weise reguliert worden ist.

Es gibt vier Wedas und jeder Weda besteht aus mehreren Teilen. Die Hauptteile jedes Wedas sind als die Samhitas und die Brahmanas bekannt. Die Samhitas sind die Sammlung der Mantras, dem eigentlichen Weda. Die Brahmanas sind die Kommentare, Interpretationen oder neue Vorschläge. Die Brahmanas sind wiederum in die eigentlichen Brahmanas eingeteilt, in die Aranyakas und die Upanischaden. Die Samhitas bestehen aus den allgemeinen vedischen Erfahrungen und den Mantras, die für die Besänftigung und Manifestation der Götter notwendig sind. Und die Brahmanas liefern alle mit den Zeremonien verbundenen Opferdetails, Riten, usw. Die Upanischaden sind der Verwahrungsort des Wissens vom Höchsten Wesen und von Zeremonien und Allegorien befreit. Die Samhitas haben auf die Formen religiöser Kultur Betonung gelegt, während die Upanischaden auf den Geist von ihnen verwiesen haben. Auf eine Weise kombinierten die Aranyakas in sich sowohl die Brahmanas, als auch die Upanischaden. Um zu summieren, der erste und vorderste Teil der Wedas sind die Samhitas, die sofort von den Brahmanas in den Upanischaden gefolgt werden, die in den Aranyakas kulminieren, die wiederum in den Upanischaden enden. Aber es gibt Ausnahmen. Zum Beispiel führt das Aitareya Arnayaka das Rigveda Samhita ein, während das Brihadaranyaka selbst eine Upanlschade ist.

Diese vier Abteilungen des Wedas, sollen den vier Stufen des menschlichen Lebens entsprechen. In der ersten Stufe soll die vorderste Pflicht eines Brahmatscharis sein (ein Student, der das Zölibat ausübt), die Mantras der Samhitas vorzutragen, die die Quintessenz vom Ideal des Lebens enthalten. In der nächsten Stufe müssen beim Antreten des Familienlebens Zeremonien und Opferriten geübt werden und die Betonung ist somit auf die Brahmanas gelegt. In der dritten Stufe des Lebens, wenn man auf das Familienleben verzichtet und sich in den Wald zurückzieht, muß man alle jene Opferriten und Zeremonien symbolisch als Teil seiner spirituellen Disziplin ausüben und den Lehren der Aranyakas folgen. In der vierten und letzten Stufe gibt man alle früheren Übungen auf und in Anpassung an die Führung der Upanischaden, gibt man sich dem Nachdenken über die Höchste Wahrheit hin, die nicht durch Überlegungen und Diskussionen erreicht werden kann.

Jetzt können wir sagen, daß die Samhitas, die Brahmanas und die Upanischaden, Änderungen in der Ausübung der im Zeitverlauf ausgeübten vedischen Wahrheit anzeigen. Die spirituelle Disziplin der Samhitas hat als ihr Ziel das Erlangen von Göttlichkeit, die ein Aspekt der kosmischen Manifestation des transzendenten dreieinigen Prinzips, Existenz--Bewußtsein--Glück ist. Die Disziplin der Brahmanas versucht den Geist der Ersteren, durch externe Praxis zu manifestieren. Und die spirituelle Disziplin der Upanischaden, kümmert sich nicht sehr um die Manifestation der Götter, da sie sich mehr in die endgültige Quelle vertieft, aus der die Götter hervorgebracht wurden. Mit anderen Worten, das Ziel von der upanischadischen Wahrheit ist anzuzeigen, wie das Licht des Bewußtseins im Herzen aller wohnend, wie eine stetige Flamme von der Größe des Daumens, mit dem grenzenlosen Ozean vom transzendenten Bewußtsein vereint werden kann.

Strikt gesagt, die Stufen der Samhitas, der Brahmanas und der Upanischaden, können nicht für aufeinanderfolgende Stufen gehalten werden. Denn es gibt viele Upanischaden, die früher als viele Brahmanas und einige Teile der Samhitas erschienen. Wie wir es verstehen, gab es zuerst die früheren Mantras der Samhitas, aus der die beiden Zweige der Brahmanas und der Upanischaden entstanden. Die Brahmanas legten Betonung auf die exoterischen Teile der Samhitas und die Upanischaden, auf die mit der Kenntnis der endgültigen Wahrheit verbundenen esoterischen Seite.

In den anschließenden Zeitaltern, wurden die Leute mehr von der exoterischen Seite angezogen und gingen mit Zeremonien und Opferriten um, als ein Mittel von zeitweiligen Glück und es sind die Brahmanas, die bekundeten die Wedas zu erklären. Andererseits versuchten die Upanischaden den Geist der endgültigen Realisierung, in den Wedas enthalten, zu behaupten. Deshalb wurden die Upanischaden als das System des Wissens angesehen, während die Brahmanas als das des Wirkens.

Der Rigveda ist das älteste von allen Teilen der Wedas und sein Samhita Teil kennzeichnet das weißhaarigste Altertum. Es kann sein, daß das zehnte Kapitel, wie die europäischen Gelehrten geschlossen haben, späteren Ursprung ist. Außerdem können viele der Mantras des Rigvedas mit leichten Änderungen, in anderen Teilen der Wedas gefunden werden. In dieser Hinsicht schuldet das Samaveda dem Rigveda am meisten. Es wird keine Übertreibung sein zu meinen, daß das Samaveda nur eine neuartige Ausgabe des Rigvedas ist. Aus dieser Überzeugung sind sonderbar genug, Versuche gemacht worden zu beweisen, daß das Samaveda das älteste von allen Wedas ist.

Der Rigveda Samhita ist auch in verschiedenen Kapiteln angemessen geteilt und arrangiert worden. Zwei verschiedene Methoden sind in dieser Anordnung übernommen worden. Erstens ist das Ganze des Samhitas in zehn Bücher eingeteilt worden und jedes Buch wird ein Mandala genannt und jedes Mandala ist aus anderen Serien von Mantras zusammengesetzt; jede Serie wird ein Sukta genannt, jedes Mantra wird ein Rik genannt. Jedes Mandala oder Buch wird im allgemeinen auf einen Rischi zurückgeführt. Zum Beispiel ist das zweite Mandala der Beitrag des Rischi Gritsamada und seiner Nachkommen gewesen. Die Autorschaft vom dritten Mandala geht zum Rischi Vishwamitra. Das vierte Mandala wird auf Vamadeva zurückgeführt, während das fünfte, das sechste, das siebte in dieser Reihenfolge auf Atri, Bharadwaja und Vasishtha zurückgeführt wird. Das Ganze des neunten Mandalas ist ausschließlich dem Gott Soma gewidmet worden. Das Erste und das Zehnte sind Beiträge von vielen Rischis gewesen. Jeder Sukta dieser zwei Bücher enthält einem besonderen Gott oder mehreren Göttern dargebrachte Mantras, die auf diesen eigentlichen Gott bezogen sind. Außerdem gibt es eine andere Methode, durch die das Ganze des Samhitas in acht Teile eingeteilt worden ist und jeder Teil wird ein astaka (eine Gruppe von acht) genannt. Wieder ist jedes astaka in adhyayas (Kapitel), Unterkapitel und eine Serie von verwandten Mantras eingeteilt. Aber das Prinzip, dem in dieser Aufteilungsart gefolgt wird, ist schwer zu bestimmen.

Sei es wie es sei, wir sind nicht so sehr mit den externen Formen des Wedas beschäftigt, als wie mit seiner inneren Bedeutung. Lange ist der Weda einzig das Thema von archäologischen Forschungen gewesen. Seien sie sicher, der Weda hat einen lebendigen Spirit. Die wahre Bedeutung vom Weda liegt in der Tatsache, daß er auf das wahre Ziel des Menschen und auf das Mittel zum Erlangen eines höheren und stattlicheren Leben hinweist. Trotz seiner Unkenntnis, seinem Mangel an Kraft und Bedürfnis des Glücks, war der Traum den der Mensch geträumt hat, das Ideal dem er durch allen Wandel seines Lebens nachgegangen ist: "Was soll ich damit machen, das mir keine Unsterblichkeit bringen kann?" Diese Suche der Unsterblichkeit der menschlichen Seele, findet ihre absolute Erfüllung im Weda, der wahrlich ein gewaltiger Ozean grenzenloser Freude ist. Dem wahren Zweck, daß man den Weda studiert, wird nur gedient, wenn seine Mantras die Sehnsucht nach göttlicher Freude in einem selbst erregen.

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Auszug aus "Collected Works" of Nolini Kanta Gupta. Erschienen 1979 in Pondicherry/Indien.
Zuletzt überarbeitet: 15.Okt.2003


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