Über das Übersetzen der Upanischaden

Sri Aurobindo schrieb diesen Text in Baroda um 1900-1902 unter der Überschrift: Om Tat Sat. Er beabsichtigte ihn wahrscheinlich als Einleitung für eine Sammlung seiner Übersetzungen, möglicherweise "Die Upanischaden - in einfachen und rhytmischen Englisch wiedergegeben."

Friedrich Max Müller (in England als Max Müller bekannt; * 6. Dezember 1823 in Dessau, † 28. Oktober 1900 in Oxford) war ein deutscher Sprachforscher und einer der Begründer der Sanskrit-Forschung.


OM TAT SAT

Die Übersetzung einiger der einfacheren und exoterischeren Upanischaden, gefolgt von anderen heiligen und philosophischen Schriften der Hindus, die nicht in die offenbarte Heilige Schrift einbezogen sind, alle unter dem Titel des "Buches Gottes", ist in einem bestimmten und gleichbleibendem Prinzip erfolgt, um England und von dort nach Europa, die religiöse Botschaft Indiens, nur in den Teilen ihrer niedergeschriebenen Gedanken zu repräsentieren, die der Westen bereit ist zu hören und dies in einer solchen Form, wie es dem Okkzidentalen Intellekt attraktiv und sinnvoll erscheinen würde. Die erste Sparte dieses Prinzips machte eine starre Auswahl von bestimmten Zeilen erforderlich, die zweite diktierte die Wahl von Stil und Methode der Wiedergabe, die eher literarisch statt wörtlich sein sollte.

Die Reihe von Übersetzungen, vom verstorbenen Professor Max Müller "Die Heiligen Bücher des Ostens" genannt, wurde in einem wissenschaftlichen und sonderbaren Geist ausgeführt. Professor Max Müller, ein Gelehrter von umfassenden Fähigkeiten, großer Vielseitigkeit und einer erfrischend aktiven, einfallsreichen und verantwortungslosen Phantasie, hat in Indien durch seine Zuneigung für vedische Studien beträchtliche Achtung gewonnen, aber es muß deutlich gesagt werden, daß er eher ein Grammatiker und Philologe, als ein verläßlicher Sanskritgelehrter war. Er konnte Sanskrit ausreichend analysieren, aber er konnte nicht die Sprache erfühlen oder den Geist hinter dem Buchstaben erkennen. Dementsprechend beging er zwei ernste Fehler beim Urteil; er stellte sich vor, daß er durch Sitzen in Oxford und Entwickeln von neuen Bedeutungen aus seiner eigenen glänzenden Phantasie heraus, die Upanischaden besser als Schankaracharya oder jeder andere begabte und gelehrte Hindu verstehen könnte; und er stellte sich auch vor, daß was für Europa über die Upanischaden zu wissen wichtig war, jenes war, was er und andere europäische Gelehrte zu Bedeuten in Erwägung zogen. Dies ist jedoch nur für die Gelehrten selbst von Wichtigkeit. Was in erster Linie für Europa wirklich wichtig ist zu wissen, ist was die Upanischaden wirklich bedeuten, soweit wie sich ihre exoterische Lehre erstreckt und in einem geringeren Maß, was der philosophische Hinduismus glaubte, daß sie bedeuteten. Das letztere Wissen kann von den Kommentaren von Schankaracharya und anderen Philosophen genommen werden, die im Original oder in Übersetzungen studiert werden können, das die Dravidian Presidency, von den Materialisten unwissentlich umnachtet genannt, mit wirklich stattlichem Wissen und hochgesinntem Vorhaben herausgegeben hat. Das Buch macht einen Versuch das Erstere zu übermitteln.

Aber es kann gefragt werden, warum nur diese bestimmten Upanischaden, wenn es so viele Andere im Konzept größere und von einer nicht minderen Bedeutung gibt? Als Antwort möchte ich aus den "Heiligen Büchern des Ostens" einen Satz von Professor Max Mullers Vorwort zitieren. "Ich gestehe 'sagt er', daß es viele Jahre für mich ein Problem gewesen ist und in hohem Maß immer noch ist, wie die "Heiligen Bücher des Ostens", die nebenbei so viel enthalten, das frisch, natürlich, einfach, schön und wahr ist, so viel enthalten sollten, das nicht nur unbedeutend, künstlich und albern, sondern sogar schrecklich und abstoßend ist." Jetzt bin ich selbst nur ein armer grobschlächtiger Orientale und deshalb nicht geneigt, die gewöhnlichen physischen Fakten des Lebens und der Natur zu leugnen, oder in der Lage zu sehen, warum wir sie außer Reichweite katapultieren sollten und einen selbstgefälligen, angesehenen Ausdruck anzulegen der andeutet, während er dazu neigt deren Existenz zu verbergen. Dies ist vielleicht der Grund, warum es mir schwerfällt mir vorzustellen, was der Professor in den 14 Upanischaden fand, das schrecklich und abstoßend ist. Immerhin wurde ich fast seit meiner frühen Kindheit in England aufgezogen und erhielt eine englische Bildung, so daß ich manchmal Schimmer habe. Aber bezüglich dessen, was mit den unbedeutenden, künstlichen und albernen Elementen beabsichtigt wird, kann es keinen Zweifel geben. Alles ist unbedeutend in den Upanischaden was die Europäer nicht verstehen können, alles ist künstlich was nicht in den Umkreis ihrer geistigen Erfahrung kommt und alles ist albern, das durch europäische Wissenschaft und Weisheit nicht erklärbar ist. Jetzt ist diese Einstellung seitens des Europäers fast unvermeidlich, denn wir urteilen alle laut unseren Erkenntnissen und jene, die ihren Verstand wirklich offen halten, die sehen können, daß es Erkenntnisse geben kann, die nicht ihre sind und doch aufschlußreicher oder aufschlußreicher noch als ihre, sind in jeder Nation eine kleine Handvoll.

Angenommen, daß die Zeremonien und Gottesdienste des Katholiken, nicht bloße Zeremonien und Formulierungen waren, zum größten Teil vom östlichen Okkultismen geborgt, ohne sie zu verstehen, - daß sie als vollkommene Symbole von bestimmten tiefen metaphysischen Wahrheiten arrangiert worden waren und um bestimmte spirituelle und materielle Wirkungen zu produzieren, entsprechend einer wissenschaftlichen Kenntnis von der Kraft des Klanges über Geist und Materie; angenommen, daß tiefe philosophische Werke in der Terminologie dieser Symbole und oft einer verschleierten anspielenden Sprache geschrieben worden waren; und schließlich anzunehmen, daß diese ins Bengalische oder Hindustanische übersetzt und einem gebildeten Experten in Kalkutta und Nuddea oder Benares überreicht wurden, der beide studiert hatte, was würde er aus ihnen machen? Es kann auch gut sein, ein konkretes Beispiel zu geben. Jesus Christus war ein großer Denker, ein Mensch der anscheinend durch eigene Macht, obwohl dies nicht sicher ist, etwas vom göttlichen Wissen erlangt hatte; aber die Schreiber, die seine Reden aufzeichneten, waren zum größten Teil gewöhnliche Menschen von sehr beschränkter Bildung und Denkweise, und sie scheinen seine tiefsten Reden grob mißverstanden zu haben. Wenn zum Beispiel gesagt ist, "Ich und mein Vater sind eins", - die tiefe Wahrheit ausdrückend, daß das menschliche Selbst und das göttliche Selbst identisch sind, stellten sie sich vor, daß er einen individuellen Anspruch Gott zu sein erhob; daher folgte die außergewöhnliche Legende der Jungfrau Maria und alles was sich daraus ergab. Nun kennen wir alle die Geschichte über das letzte Abendmahl und die bedeutungsvolle wunderbare Äußerung Jesu, da er das Brot brach und seinen Jüngern Wein einschenkte: "Dies ist mein Leib und dies ist mein Blut" und den bemerkenswerten Ritus der Eucharistie und der Doktrin der Transubstantion, die die römisch-katholische Kirche auf ihr gegründet hat. "Verdorbenheit! Aberglaube! frevelhafter Unsinn!" schreit der Protestant. "Nur eine anschauliche orientalische Metapher und nichts mehr." Wenn ja, war es sicher eine "unbedeutende, künstliche und alberne" Metapher, oder "sogar eine schreckliche und abstoßende." Aber ich ziehe es vor zu glauben, daß die Worte Jesu immer eine Bedeutung und im allgemeinen eine wahre und schöne hatten. Andererseits ist die Transubstantions-Doktrin eine, die die Katholiken selbst nicht verstehen, sie ist für sie ein "Mysterium." Und wie einfach ist die Bedeutung doch für die orientalische Intelligenz! Das Plasma der Materie, die Nahrungshülle des Universums, der Brot und Wein angehören, ist wirklich das Blut und der Körper Gottes und stellt das große ursprüngliche Opfer dar, bei dem Gott sich selbst kreuzigte, so daß die Welt existieren könne. Die Unendlichkeit mußte begrenzt, das Unkonditionierte selbst konditioniert werden, der Spirit mußte Materie entwickeln. Im Brot und dem Wein, die der Kommunikant verzehrt, ist tatsächlich Gott, aber er ist nicht für unser Bewußtsein anwesend und er wird nur durch einen Glaubensakt anwesend; dies ist die ganze Doktrin der Transubstantion. Denn wie die Upanischade sagt, wir müssen an Gott glauben, bevor wir ihn erfahren können; wir müssen ihn als das "Er ist" erfahren, bevor wir ihn in seiner Wesenhaftigkeit erkennen. Und wenn das Kind nicht wirklich daran geglaubt hätte, was ihm sein Lehrer oder sein Buch sagte, wie könnte der erwachsene Mensch irgend etwas wissen? Aber, wenn eine tiefe philosophische Arbeit über die Eucharistie geschrieben würde, die große Wahrheiten andeutete, aber ständig das Symbol von Brot und Wein und ihre Terminologie vom Symbol und der Doktrin der Transubstantion auf dem Symbol basierend verwendete, was würde unser hinduistischer Experte von ihr machen? Als Gelehrter und Philosoph würde er dort zweifelslos viel finden, daß neu, natürlich, einfach, schön und wahr, aber auch sehr viel das unbedeutend, künstlich und dumm und sogar schrecklich und abstoßend für seine vegetarische Vorstellung wäre. Bezüglich des Symbols selbst, wäre seine wahrscheinliche Wirkung auf den armen Vegetarier, ihn zum Erbrechen zu bringen. "Welch schrecklicher Unsinn, 'sagt der Protestant', wir sollen glauben, daß wir Gott essen!" Aber das ist genau was der Protestant selbst glaubt, falls er aufrichtig und kein Papagei ist, wenn er sagt, "Gott ist überall", das wahr genug ist, obwohl es wahrer wäre zu sagen, daß alles Gott ist. Wenn Gott überall ist, muß er in der Nahrung sein, die wir essen. Nicht nur ist Gott das Gegessene, aber Er ist der Esser und das Vedanta sagt schließlich, wenn man zum Grund der Existenz kommt, gibt es weder das Gegessene noch den Esser, sondern alles ist Gott. Dies sind schwierige Redensarten für den Rationalisten, der auf einschränkendem Wissen innerhalb des Kreises der fünf Sinne besteht. "Gott, zu dem die Weisen wie Fleisch und Prinzen, wie ausgezeichnetes Essen und Tod das Gewürz seines Festmahls ist, wie soll solch einer (der Rationalist) von Ihm wissen wo Er weilt?"

Viele der Upanischaden sind ebenso um Symbole herum und in einer Phraseologie und Bildern geschrieben, die eine tiefe Bedeutung haben oder einmal gehabt haben und eine heilige Assoziation für die Hindus sind, aber dem Europäer unverständlich und abweisend sein müssen. Welcher möglichen Verwendung kann dadurch gedient werden, daß man Europa solche Werke wie die Chandogya - oder Aitareya Upanischade überreicht, in denen es sogar die Majoritäten der Hindus schwierig oder unmöglich finden, in jedes Symbol zu seiner zugrundeliegenden Wahrheit einzudringen? Nur die wenigen Upanischaden sind ausgewählt worden, die den Kern der Sache in der am wenigsten formalen und poetischsten Form enthalten; die eine Ausnahme ist die Upanischade der Fragen (die Prashna Up.), welche für den Europäer durchaus fremd und ziemlich undurchdringlich sein wird. Es war jedoch notwendig, sie wegen einer fälligen Darstellung der Upanischaden-Philosophie sowohl in manchen ihrer Details, als auch in ihren Hauptideen miteinzubeziehen und ihr formales Element hat einen universaleren Appell als das der Chandogya oder Taitiriya.

Ein Einwand kann zur Methode für die Übersetzung dringlich gemacht werden, die übernommen worden ist. Professor Max Müller machte in seiner Übersetzung keinen Versuch, die genauen Schattierungen arischer philosophischer Begriffe wie Atman und Prana in Englisch zu machen, die keiner dem Westen vertrauten philosophischen Konzipierung entsprechen; er glaubte, daß die eigentliche Unvertrautheit der Begriffe, die er zu übersetzen pflegte, wie ein scharfer Spritzer kalten Wassers für den Verstand wäre, der ihn zwang aufzuwachen und zu denken. Hierin denke ich, daß der Professor im Irrtum war; es kann sein, daß sein Vorschlag bei unverzagten philosophischen Intellekten wie Schopenhauer wahr ist, oder bei jenem, der mit der Sanskritsprache schon ein wenig vertraut ist, aber dem gewöhnlichen Leser bedeutet die unvertraute Terminologie eine hohe dichte Brombeersträucherhecke, die ihn aus den prächtigen Palästen und schönen Gärten der Upanischaden ausschließen. Außerdem hat das Resultat einer wissenschaftlichen Treue zum Buchstaben, den Stil der Übersetzung von diesen großen religiösen Gedichten, unerträglich unbeholfen und der feierlichen rhythmischen Erhabenheit und unaussprechlicher poetischer Tiefe und Schönheit unwürdig gemacht. Ich sage nicht, daß diese Übersetzung ihrer wert ist, denn in keiner anderen menschlichen Sprache als Sanskrit, ist solche Erhabenheit und Schönheit möglich. Aber es gibt Wege und ihre Grade. Zum Beispiel hat Etadwaitad, der Refrain der Katha Upanischade, einen tiefen und feierlichen Klang im Sanskrit, weil etad und tad so verwendet, im Sanskrit eine tiefgreifende und grandiose philosophische Bedeutung haben, die jeder sofort fühlt; aber auf Englisch kann "Dies ist wirklich Das", nichts als ein Jonglieren mit Demonstrativpronomen sein; es ist viel besser und gibt fast beides Rhythmus und Bedeutung wieder, um zu übersetzen, "Dies ist der Gott deines Suchens", wie unzulänglich solch eine Übersetzung auch sein mag.

Es kann jedoch deutlich gesagt werden, daß eine auf diesen Richtlinien geschaffene Version, keine genaue und korrekte Vorstellung der Bedeutung geben kann. Es ist irreführend, Prana manchmal mit Leben, manchmal mit Atem, manchmal mit Lebensatem oder Atem des Lebens zu übersetzen, weil Atem und Leben lediglich untergeordnete Aspekte des Prana sind. Wiederum Atman gleichgültig mit Seele, Geist und Selbst wiederzugeben muß irreführen, weil was der Westen Seele nennt, wirklich der mit Verstand und Intelligenz verbundene Atman ist und spirit ein Wort variabler Konnotation, das mit Seele oft synonym ist; sogar "Selbst" (self) kann nicht genau auf diese Weise im Englischen verwendet werden. Wieder ist die hinduistische Vorstellung von "Unsterblichkeit" anders als die der Europäer; sie impliziert nicht das Leben nach dem Tod, sondern Freiheit sowohl vom Leben als auch vom Tod, denn das, was wir das Leben nennen, ist schließlich ohne den Tod unmöglich. Ebenso gibt Wesen (Being) nicht Purusha, noch "Materie" rayi, noch Askese die ganze Vorstellung von tapas wider. In einem gewissen Maß kann all dies zugelassen werden, aber zugleich denke ich nicht, daß irgendein Leser der denken und fühlen kann, ernsthaft irregeführt werden könnte, und er begreift jedenfalls mehr bei der Bedeutung unvollkommenen englischen Ersatzes, als von Sanskrit Begriffen, welche für seine Intelligenz ein weißes Blatt sind. Der Verstand des Menschen fordert, und die Forderung ist legitim, das ihm neue Ideen in Wörtern überreicht werden sollen, die ihm eine Zuordnung übermitteln, mit welchem er sich nicht wie ein Ausländer in einem fremden Land fühlt, wo niemand seine Sprache kennt, noch er ihre. Die Neuen müssen ihm in den Ausdrücken der Alten überreicht werden; neuer Wein muß in gewissen Maß in alte Flaschen gefüllt werden. Welchen Nutzen hat es, das Wort "Gott" zu vermeiden und immer vom Höchsten als "Es" zu sprechen, einfach weil das Sanskrit normalerweise, aber nicht ständig sei bemerkt, das Neutrum verwendet? Das Neutrum in Sanskrit gilt nicht nur für das was unbelebt ist, aber was über solchen Begriffen wie belebt und unbelebt ist, nicht nur für das, was unterhalb des Geschlechts ist, aber für das, was über dem Geschlecht ist. Im Englischen ist dies nicht der Fall. Die Verwendung von "Es" kann deshalb zu weit größeren ernstlichen falschen Vorstellungen führen, als den Ausdruck "Gott" und das Fürwort "Er" zu verwenden. Als Matthew Arnold sagte, daß Gott ein Strom der Tendenz wäre, um in Richtung Rechtschaffenheit zu führen, spotteten die Menschen natürlich, weil es Gott zu einer unbelebten Macht zu machen schien; doch bestimmt war das nicht Arnolds Bedeutung. Wenn auf der anderen Seite die Neuen Ideen mit Macht und Kraft überreicht werden, wird ein intelligenter Leser bald verstehen, daß etwas Anderes mit "Gott" bei den Ideen die er mit diesem Wort verbindet gemeint ist. Und wir erlangen inzwischen den deutlichen Vorteil, daß er nicht am Beginn davon abgestoßen worden ist, was ihm natürlich bizarr, abstoßend oder respektlos erscheinen würde.

Es ist jedoch wahr, daß diese Übersetzung keine genaue volle und kategorische Kenntnis von den Wahrheiten übermittelt, die den Upanischaden zugrundeliegen. Solches Wissen zu vermitteln, ist nicht das Objekt dieser Übersetzung, noch war es das Objekt der Upanischaden selbst. Es muß immer erinnert werden, daß diese großen Abhandlungen, einfach das Tor vom Höheren Wissen sind; es gibt viel das hinter dem Tor liegt. Sri Krischna hat in der Tat gesagt, daß das Wissen in den Wedas einem heiligen Geist genügt, der Gott zu erkennen fähig ist; so wie das Wasser in einem Brunnen dem Zweck eines Menschen genügt, obwohl es überall ganze Wasserfluten geben kann. Aber dies gilt nicht für gewöhnliche Menschen. Der gewöhnliche Mensch, der Gott durch Wissen erreichen möchte, muß sich einem ausführlichen Training unterziehen. Er muß damit beginnen, absolut rein zu werden; er muß seinen Körper, sein Herz und seinen Intellekt gründlich reinigen, er muß ein neues Herz bekommen und wieder geboren werden; denn nur der Zweimalgeborene kann die Wedas verstehen oder lehren. Wenn er das getan hat, braucht er noch vier Dinge bevor er Erfolg haben kann, das Sruti oder die aufgezeichnete Offenbarung, den Heiligen Lehrer, die Übung des Yogas und die Gnade Gottes. Die Aufgabe vom Sruti und besonders der Upanischaden, ist den Verstand zu ergreifen und ihn in einen magischen Kreis zu ziehen, um ihn an den Gedanken an Gott und die Aspiration nach dem Höchsten zu gewöhnen, um ihn in bestimmten Ideen zu baden und ihn mit einer gewissen spirituellen Atmosphäre zu umgeben; für diesen Zweck stürzt und rollt es den Verstand wieder und wieder in einem Ozean phantastischer Laute, was eine bestimmte Kette von Gedankenverbindungen in Bewegung setzt, - appeliert mit anderen Worten an den Intellekt, das Ohr und die Vorstellungskraft, hin zur Seele. Dem Zweck der Upanischade kann deshalb nicht bei einer Übersetzung gedient werden; eine Übersetzung bereitet ihn im besten Fall vor und zieht ihn zum Original. Aber, sogar wenn er das Original durchdrungen hat, kann er verstanden haben, was die Upanischade vorschlägt, aber nicht alles das sie impliziert, nämlich die große Masse religiöser Wahrheit die dahinter liegt, von denen die Upanischade nur ein Hinweis oder ein Echo ist. Dafür muß er zum Lehrer gehen. "Erwache, steh auf und lerne über Gott und suche die Besten die das Wissen haben." Schwer ist es in diesen Tagen die Besten zu finden; denn die Besten kommen nicht zu uns, wir müssen unsere Aufrichtigkeit, Geduld und Beharrlichkeit dadurch zeigen, daß wir sie suchen. Und, wenn wir das Ganze des Brahmavidyas vom Lehrer gelernt haben, kennen wir Gott immer nur noch theoretisch; wir müssen weiter von einem Unterweiser das praktische Wissen über Gott, die Vision von Ihm und das Erlangen von Ihm erlernen, welches Yoga und das Ziel des Yogas ist. Und sogar darin können wir keinen Erfolg haben, es sei denn, wir haben die Gnade Gottes, denn Yoga ist von Versuchungen heimgesucht, deren nicht wenige ein bißchen die Kräfte sind die er uns gibt, Kräfte welche der Unwissende übernatürlich nennt. "So muß ein Mensch sehr wachsam im Yoga sein, denn wie sein Anfang wird sein Ende sein." Nur die Gnade Gottes, die Segnungen triumphierender Selbstbeherrschung, die von langer und geduldiger Ansammlung der Seelenerfahrung kommt, kann uns standhaft halten und uns über diese Versuchungen helfen. "Der Spirit wird nicht durch Beredsamkeit, noch durch Geisteskraft, noch durch viel Gelehrsamkeit gewonnen; aber den, den der Spirit erwählt, der erlangt den Spirit und ihm offenbart Gott seinen Körper." Wahrlich, sagt die Upanischade: "Denn scharf wie eine Rasierklinge ist der Pfad, schwierig und schwer zu schreiten, sagen die Seher." Es ist glücklicherweise nicht notwendig und in der Tat ist es nicht möglich, daß alle die ganze Reise in einem einzelnen Leben durchmessen, noch können wir oder sollten wir unsere täglichen Pflichten wie Buddha verlassen und auf den Berg oder in den Wald flüchten. Es ist genug, daß wir einen Anfang machen.

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