Über das Träumen

....Träume sind etwas ganz anderes. Sie sind schwieriger zu deuten, weil jeder eine eigene Bilder und Formenwelt für seine Träume hat. Es gibt natürlich Träume die nicht viel sagen, jene nämlich, die mit der äußerlichsten physischen Bewußtseinsschicht in Verbindung stehen und die das Ergebnis schweifender Gedanken, flüchtiger Eindrücke, mechanischer Reaktionen oder reflexhafter Tätigkeiten sind. Diese Träume sind in Form, Struktur und Bedeutung nicht organisiert; man erinnert sich ihrer kaum und sie hinterlassen beinah keine Spur im Bewußtsein. Doch auch die Träume, die einen etwas tieferen Ursprung haben sind noch dunkel, weil sie insofern persönlich geprägt sind, als ihre Gestalt fast ausschließlich von Erfahrungen und Eigentümlichkeiten des einzelnen abhängt. Allerdings bestehen auch Visionen aus Symbolen, die nicht notwendigerweise in der ganzen Welt Geltung haben. Die Symbolik ist je nach Rasse, Überlieferung und Religion verschieden. Ein Zeichen kann spezifisch christlich, ein anderes hinduistisch sein, ein drittes dem ganzen Osten gemeinsam zugehören, ein viertes nur dem Westen. Träume dagegen sind persönlicher, sie hängen von Umständen und Eindrücken des Tages ab. Es ist sehr schwierig für einen Menschen, die Träume eines anderen zu erklären oder zu deuten. Doch kann jeder seine eigenen Träume erforschen, sie entwirren und ihren Sinn entdecken.

Ihr möchtet wissen wie ihr mit den Träumen und dem Traumland umgehen sollt? Werdet zuerst einmal bewußt, eurer Träume bewußt! Achtet auf die Zusammenhänge zwischen ihnen und den Stunden des Wachseins. Erinnert ihr euch eurer Nächte, so wird es euch sehr oft möglich sein, eine Beziehung zwischen eurem Zustand am Tage und dem in der Nacht zu erkennen. Während des Schlafes geht auf der geistigen, vitalen oder einer anderen Ebene stets etwas vor sich; da geschehen Dinge, die euer Wachbewußtsein beherrschen. Zum Beispiel sind manche sehr darauf bedacht sich zu vervollkommnen und strengen sich tagsüber mächtig an. Dann legen sie sich schlafen und wenn sie am Morgen aufwachen, finden sie von der Bemühung des Vortages keine Spur mehr vor; sie müssen denselben Weg noch einmal gehen. Das zeigt, daß ihre Anstrengung und was sie erreichten den oberflächlichsten oder wachsten Teilen des Wesens zugehörten; doch andere Teile, tiefere oder schläfrigere, sind nicht berührt worden. Im Schlaf gerät man unter den Einfluß dieser Gebiete die alles verschlucken, was in den Stunden des Wachseins so eifrig aufgebaut wurde.

Seid bewußt! Seid euch der Nacht ebenso bewußt wie des Tages. Zunächst gilt es bewußt zu werden, nachher könnt ihr Kontrolle ausüben. Die sich ihrer Träume erinnern, kennen die Erfahrung im Traum zu wissen daß sie träumen; sie wissen daß sie etwas erleben, das nicht zur stofflichen Welt gehört. Hat man einmal dieses Wissen, so kann man dort auf die gleiche Weise handeln wie in der stofflichen Welt; man fühlt sich nicht mehr ans Geschehen gebunden; während man träumt, kann man seinen bewußten Willen einsetzen und den Lauf der Traumereignisse völlig ändern.

(Ein gutes Beispiel für das hier Gesagte, gibt uns heute Carlos Castaneda mit seinen okkulten Erfahrungen der Traumwelt. R.Helmecke)

Und indem ihr immer bewußter werdet, beginnt ihr euer Wesen während der Nacht ebenso gut in der Gewalt zu haben wie während des Tages, ja vielleicht noch besser; denn in der Nacht seid ihr der Abhängigkeit vom leiblichen Mechanismus, wenigstens teilweise ledig. Die Aufsicht über die Vorgänge im leiblichen Bewußtsein ist viel schwieriger, denn diese sind starrer und für Änderung weniger empfänglich, als jene des Geistes und des Vitalen.

In der Nacht sind der Geist und das Vitale - vor allem letzteres - sehr aktiv. Am Tag werden sie in Schach gehalten; das physische Bewußtsein zügelt automatisch das freie Spiel ihres Ausdrucks. Im Schlaf ist der Zaum abgenommen und sie zeigen sich in der ganzen Ursprünglichkeit ihrer natürlichen Regungen.

Was ist die Natur des traumlosen Schlafes?
Im allgemeinen handelt es sich bei dem, was ihr traumlosen Schlaf nennt, um eines von zwei Dingen: entweder erinnert ihr euch dessen nicht, was ihr geträumt habt, oder ihr seid in völlige Unbewußtheit gesunken, die sehr dem Tod gleicht, ja ein Vorgeschmack des Todes ist. Doch gibt es einen Schlaf wo alle Teile des Wesens in Reglosigkeit, Frieden, völliges Schweigen verfallen und das Bewußtsein in Sachidananda eintaucht. Dieser Zustand läßt sich kaum als Schlaf bezeichnen, denn er ist äußerst bewußt. Ein paar darin verbrachte Minuten geben mehr Ruhe und Erholung als Stunden gewöhnlichen Schlafes. Aber das erlangt ihr nicht von ungefähr; lange Übung ist nötig.

Wie kommt es, daß man im Traum Leute kennenlernt, denen man dann im äußeren Leben begegnet?
Das kommt von den Übereinstimmungen, die bestimmte Personen einander näherbringen, - Übereinstimmungen in der geistigen oder vitalen Welt. Die Menschen begegnen sich oft auf diesen Ebenen, bevor sie sich auf der Erde treffen. Sie können dort zusammenkommen, miteinander sprechen und alle Beziehungen zueinander haben, die es in der physischen Welt gibt. Manche wissen um diese Betätigungen, andere nicht. Viele, ja die meisten, sind sich ihres inneren Wesen und seiner Beziehungen nicht bewußt und dennoch kommt ihnen ein bestimmtes neues Gesicht, wenn sie ihm in der äußeren Welt begegnen, ganz bekannt, irgendwie vertraut vor.


Mutter, du sagtest, daß der Schlaf vor Mitternacht uns die meiste Ruhe gibt ...

Physisch, ja.

Warum?
Ah! Ich sagte das aus persönlicher Erfahrung und dann das ... es gibt kein warum darüber, nicht? Jeder sollte dies für sich herausfinden oder nicht. Aber ich habe von jenen gehört, die an Erdchemie interessiert sind, daß es bestimmte Strahlen gibt - (sich Pavritra zuwenden) nicht wahr? Sage es uns, du weißt davon? - Sonnenstrahlen, die in der Atmosphäre bis Mitternacht aktiv bleiben und andere Strahlen, die danach aktiv werden; und diese geben euch Stärke und jene ziehen sie aus euch heraus. Aber es gibt viele Dinge wie diese, ihr versteht, wenigstens ist dies etwas von dem wir hörten oder in Büchern gelesen haben. Ich überlasse es euch, zu was es wert ist. Ich weiß nichts. Jemand der mit dem Thema gut bekannt ist, könnte euch eine genauere Erklärung geben. (lachend), aber bestimmte Dinge sind in der Praxis wahr. Ich kann nicht sagen warum; vielleicht sind sie nur persönliche Dinge! Aber ich habe auch von einer ähnlichen Erfahrung von anderen gehört. Zum Beispiel, ihr geht ins Meer, bleibt einige Minuten drin und kommt voller Stärke raus oder ihr geht ins Meer und bleibt für eine Stunde drin und kommt völlig erschöpft heraus! Sogar mit einem heißen Bad ist es dasselbe. Ihr habt ein heißes Bad, ihr seit sehr müde, ihr steigt hinein, ihr bleibt höchstens für einen Moment darin, ihr kommt raus und fühlt euch ganz und gar frisch oder ihr bleibt für eine Viertelstunde drinn, kommt heraus, und habt all eure Stärke, eure Energie verloren, - es ist nichts übrig geblieben, ihr seit ausgelaugt.

Ich sag euch das, ich kann nicht mit sehr viel Kompetenz über den Grund sprechen, aber die Tatsache ist da. Es ist so. Für mich habe ich eine Erklärung, aber sie gilt nur für mich, sie funktioniert nicht für andere. Also ist sie nutzlos. (Möglicherweise denkt die Mutter hier an mentale Suggestionen, die solange eine Rolle spielen, wie wir unbewußt sind A.d.Webmaster)

Bezüglich dieser Stufen des Schlafes, über die hier gesprochen wird, kann man sie, wenn man seiner Nächte bewusst ist, in wenigen Minuten wahrnehmen. Man muß nicht auf stundenlangen Schlaf warten um dies zu tun, versteht ihr; wenn man bewusst ist, kann man durch all das in wenigen Minuten schreiten. Oder um zu beginnen, wenn man seiner Nächte bewusst ist, ist das Erste das vor dem schnellen Einschlafen zu tun ist, gerade im dem Zustand wenn man beginnt sich zu entspannen, alle Nerven zu entspannen - ich habe euch das schon erklärt, man entspannt alle Nerven und läßt sich gehen... so... ihr wißt - nun, in diesem Moment muß man sorgfältig alle geistige Aktivität entspannen und sie beruhigen, so weit wie möglich und nicht Einschlafen, bis das der Geist völlig ruhig ist. Dann entgeht ihr einer ziemlich langen Periode nutzloser Aufregung, die äußerst ermüdend ist. Wenn ihr so erreichen könnt, daß der Geist sich zuerst entpannt und in einen vollständigen Frieden eintritt, wird euer Schlaf sofort sehr friedlich und sehr erfrischend; natürlich darf euer Vitales keinen Aufruhr machen, denn in diesem Fall wird es euch zu allen Arten von Orten nehmen und euch dazu bringen, alle Arten von Dummheiten zu begehen, und das Ergebnis wird sein, daß ihr sogar noch ermüdeter aufwacht, als wenn ihr Schlafen gegangen seit.

Auszug aus den "Gesprächen der Mutter" im Jahr 1929.

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