von Dr. A.S.Dalal
Lerne innen zu leben und immer von innerhalb zu handeln
Sri Aurobindo
Das auffälligste Merkmal des physischen Bewußtseins ist Trägheit oder Tamas. Deshalb ist eine Person mit einem überwiegend physischen Bewußtsein langsam darin, auf Stimulierung zu reagieren. Ein gewaltsamer Anreiz wird gebraucht, um eine emotionale Reaktion in trägen Personen zu produzieren. Wie die Mutter über solche Personen: bemerkt "sie brauchen immer neue Aufregungen, Dramen, Morde, Selbstmorde usw., um den Eindruck von etwas zu bekommen... und es gibt nichts, nichts, das einen gottloser und grausamer als tamas macht. Denn es ist dieser Bedarf an Aufregung, der etwas aufschüttelt und euch dazu bringt, aus sich heraus zu kommen."
Wegen der Trägheit vom physischen Bewußtsein ist das, was vom Durchschnittsmenschen als Anreiz von angenehmer Intensität erfahren wird, zu schwach oder langweilig für die Person, deren Bewußtsein vor allem physisch ist. Um eine angenehme Stimulierung zu fühlen, für die eine tamasische Person einen gewaltsamen Anreiz braucht, würde ein Durchschnittsmensch diesen eher als unangenehm oder sogar schmerzhaft erfahren. Solch eine Bedingung stellt eine psychologische Störung dar, weil es eine Form von Masochismus ist, - ein Zustand in welchem eine Person etwas angenehm findet, das von den meisten Leuten als schmerzhaft erfahren wird. Auf diese Art sind einige Formen von masochistischen Störungen mit dem physischen Bewußtsein verwandt. Ein anderer Aspekt der Trägheit ist Passivität, die als Willensschwäche auftritt. Sri Aurobindo spricht von dem wie folgt: "Es [die Schwäche vom Willen] ist ein erstes Ergebnis ins physische Bewußtsein herabzukommen, oder des physischen Bewußtseins auffallendes Aufkommen. das physische Bewußtsein ist voller Trägheit - es will sich nicht bewegen, außer es wird von irgendwelchen Gewalten bewegt und das ist seine Gewohnheit."
Das physische Bewußtsein oder zumindest die rein äußerlichen Teile davon sind, wie ich gesagt habe, ihrer Natur nach träge - gehorsam gegenüber jeder Gewalt, der sie gewöht sind zu folgen, nicht aber durch eigene Initiative zu handeln. Wenn ein starker Einfluß von physischer Trägheit vorherrscht oder wenn man in diesem unteren Teil des Bewußtseins ist, fühlt der Geist wie die materielle Natur, das Willenshandlung unmöglich ist. Willenschwäche kann von einigen dafür gehalten werden, allein die Provinz der Moral und Ethik, anstatt der Psychopathologie zu betreffen. Wir müssen jedoch erkennen, daß Willensschwäche eine Störung der Willenskraft ist und solchermaßen für die Psychopathologie als Störungen der zwei anderen größeren psychologischen Funktionen, nämlich Denken und Gefühl relevant ist. Was Gewohnheitsstörungen in der Psychiatrie genannt wird, ist auch teilweise mit dem physischen Bewußtsein verwandt, denn die Macht der Gewohnheit wird von der Trägheit und mechanischen Wiederholungshäufigkeit des physischen Bewußtseins abgeleitet.
Wie Sri Aurobindo erklärt, im physischen Wesen ist die Kraft von vergangenen Eindrücken sehr groß, weil beim Prozeß von wiederholten Eindrücken, Bewußtsein in Materie manifestiert wurde - und auch von den gewohnten Reaktionen des Bewußtseins auf diese Eindrücke, was die Psychologen nehme ich an, Verhalten nennen würden. "Das Physische ist der Sklave von gewissen Kräften, die Gewohnheiten schaffen und es durch die mechanische Kraft der Gewohnheit antreiben. Man bemerkt die Sklaverei so lange nicht, wie der Verstand seine Zustimmung gibt, wenn aber der Verstand die Zustimmung abzieht, dann fühlt man die Knechtschaft, - eine Kraft, die trotz des geistigen Willens vorwärtsdrückt. Sie ist sehr starrsinnig und wiederholt sich selbst, bis die Gewohnheit, - die innere Gewohnheit, die sich in der äußeren Tat zeigt, - zerbrochen wird. Sie ist wie eine Maschine, die einmal ein Bewegung gesetzt, dieselbe Bewegung wiederholt."
Wie vorher festgestellt, bestimmt der Teil des Physischen, der mit dem Vitalen vermischt ist, genannt der vital-physische, die Reaktionen der Nerven. Da die Nerven an allen psychologischen und auch an den meisten physiologischen Störungen beteiligt sind, bemerkt Sri Aurobindo: "Er [der vital-physische Teil] ist auch im wesentlichen für das meiste Leiden und die meiste Krankheit des Geistes oder Körpers, denen das Physische Wesen der Natur unterworfen ist, verantwortlich."
Das Unterbewußtsein und seine Störungen: Soweit noch nicht erwähnt, ist das Unterbewußte der Teil des Wesens, der vom evolutionären Standpunkt aus vorangeht und primitiver als das physische Bewußtsein ist. Er schließt jene verborgenen Teile des Mentalen, des Vitalen und des Physischen ein, die kein waches Bewußtsein in sich haben. Alles, das in unser Bewußtsein eintritt, sinkt ins Unterbewußte. Außerdem wird alles, das vom bewussten Gewahren unterdrückt ist, ohne ausgerottet zu werden, auch ins Unterbewußte gedrückt. Die folgenden Auszüge von Sri Aurobindos Briefen führen auf, was gerade über die Natur des Unterbewußtseins angegeben worden ist und erwähnen einige der mit diesem Wesensteil verbundenen Hauptstörungen. Dieser Teil von uns, den wir strikt unterbewußt nennen können, weil er unterhalb der Ebene des Geistes und bewussten Lebens ist, niedrjger und obskur, bedeckt die rein physischen und vitalen Elemente unserer Verfassung körperlichen Seins, die unmentalisiert, unbemerkt vom Geist, in ihren Aktionen von ihm unkontrolliert sind. Er kann dafür gehalten werden, das stumme okkulte Bewußtsein einzuschließen, dynamisch, aber von uns nicht wahrgenommen, das in den Zellen und Nerven und allem körperlichen Stoff operiert und ihren Lebensprozeß und ihre automatischen Antworten einstellt. Er bedeckt auch jene niederen Funktionen vom versunkenen Sinnesgeist, die im Tier und im Pflanzenleben aktiver sind." (Das bezieht sich auf den 6. Sinn im Menschen, manas. Dieser befähigt eine Wahrnehmung ohne die äußeren Sinnesorgane A.d.Webmasters)
Hier einige Auszüge aus Sri Aurobindos Schriften:
alles das bewußt erfahren wird, sinkt nach unten in das Unterbewußte, nicht als genaue doch versunkene Erinnerungen, aber als obskure dennoch hartnäckige Erfahrungseindrücke und diese können zu jeder Zeit als Träume hochkommen, als mechanische Wiederholungen vergangener Gedanken, Gefühle, Taten usw., als ' Komplexe ' die in Handlung und Ereignis ausbrechen, usw. Das Unterbewußte ist die Hauptursache warum all Dinge sich wiederholen und nichts jemals sich ändert, ausgenommen in der Erscheinung. Es ist die Ursache, warum die Leute sagen, daß der Charakter nicht geändert werden kann, die Ursache auch für die konstante Wiederkehr von Dingen die man hoffte, für immer losgeworden zu haben. Alle Saaten sind dort und alle Sanskaras vom Geist, Vital und Körper, auch alles das unterdrückt wird, ohne gänzlich überwunden zu sein, sinkt nach unten und bleibt dort als Saat, die bereit ist heraufzustoßen oder in jedem Moment aufzusprießen....Es ist ein bekanntes psychologisches Gesetz, daß was auch immer im bewussten Geist unterdrückt ist im Unbewußten Wesen bleibt und entweder im Wachzustand wiederkehrt, wenn die Kontrolle entfernt ist oder aber im Schlaf. Geistige Kontrolle kann aus sich selbst, nichts ganz aus dem Wesen ausrotten. Das Unterbewußte im gewöhnlichen Menschen, schließt den größeren Teil des vitalen Wesens und des physischen Geistes und auch des geheimen Körperbewußtseins ein. ....Die Gewohnheit des starken erneuten Auftretens derselben Sachen in unserem physischen Bewußtsein, so daß es schwierig ist, sich ihrer Gewohnheiten zu entledigen, wird im wesentlichen von einer unterbewußten Unterstützung verursacht. Das Unterbewußte ist voll von irrationalen Gewohnheiten. Wir meinen mit Unterbewußtsein, den ziemlich versunkenen Teil unseres Wesems. in welchem es kein waches bewusstes und kohärentes Denken oder Gefühl oder organisierte Reaktion gibt, aber welches dennoch vage die Eindrücke aller Dinge empfängt und in sich aufspeichert und wovon auch alle Arten von Primärvalenzen, von beharrlich gewohnten Bewegungen, primitv wiederholt oder verkleidet in seltsame Formen, im Traum oder in der wachen Natur auftauchen können. Denn wenn sich diese Eindrücke meistens im Traum auf eine zusammenhanglose und desorganisierte Art erheben, können sie auch in unser waches Bewußtsein aufsteigen und sie tun es, als eine mechanische Wiederholung von alten Gedanken, alte geistige, vitale und physische Gewohnheiten oder ein obskurer Anreiz zu Sinnesempfindungen, Handlungen, Emotionen, die nicht in oder von unserem bewussten Denken oder Willen entstehen und sogar oft seinen Wahrnehmungen, seiner Wahlmöglichkeit oder seinen Diktaten entgegengesetzt sind. Im Unterbewußtsein gibt es einen obskuren Geist voller starrsinniger Sanskaras, Eindrücke, Assoziationen, festen Vorstellungen, gewohnten Reaktionen, geformt von unserer Vergangenheit, einem obskuren vitalen Stoff voller Saaten gewohnter Begierden, Sinnesempfindungen und nervlicher Reaktionen, ein höchst obskures Material, das viel von dem beherrscht, das mit dem Zustand des Körpers zu tun hat. Es ist im wesentlichen für unsere Krankheiten verantwortlich; chronische oder wiederholte Krankheiten sind hauptsächlich wegen des Unterbewußten und seiner starrsinnigen Erinnerung und Gewohnheit der Wiederholung von dem, das sich dem Körperbewußtsein eingeprägt hat verursacht. ... weitere verborgene Störungen, die mit dem Unterbewußten verbunden sind, sind die pränatalen Einflüsse der Eltern auf den Säugling. Der Zustand des Bewußtseins der Eltern zur Zeit der Konzipierung, wird in der Yogapsychologie für einen mächtigen Faktor gehalten, der den physichen, intellektuellen und charakterischen Fehlern und Mängeln zugrundeliegt, die ein Kind zeigen kann. Als Antwort auf eine Frage, ob die in einigen Kindern gefundene Boshaftigkeit durch die Tatsache, daß die Eltern die Kinder nicht haben wollten, verursacht ist, macht die Mutter (hier handelt es sich um die Begleiterin Sri Aurobindos) bestimmte emphatische und kategorische Erklärungen bezüglich des unterbewußten Einflußes der Eltern auf die Neugeborenen. Sie sagt, es ist vielleicht eine unterbewußte Boshaftigkeit in den Eltern. Es wird gesagt, daß die Leute ihre Boshaftigkeit dadurch von sich werfen, daß sie ihr Geburt in ihren Kindern geben. Man hat immer einen Schatten in sichselbst. Es gibt Leute, die dies nach Außen projezieren - das befreit sie nicht immer davon, aber immerhin tröstet es sie vielleicht! Aber es ist das Kind, das davon 'profitiert', sehen sie das nicht? Es ist ziemlich offensichtlich, daß der Zustand des Bewußtseins, worin die Eltern in diesem Moment [der Konzipierung] sind, von kapitaler Bedeutung ist,. Wenn sie sehr niedrige und vulgäre Ideen haben, reflektieren die Kinder sie ziemlich sicher. Und all diese Kinder, die deformiert, ungezogen, unvollständig sind, (speziell vom Standpunkt der Intelligenz: mit Fehlern, fehlenden Dingen), - Kinder, die nur halbbewußt und halbgeformt sind, - so wird dies immer vom Zustand des Bewußtseins verursacht, worin die Eltern waren, wenn sie das Kind empfingen. So wie der Zustand des Bewußtseins der letzten Momente des Lebens, von Kapitalbedeutung für die Zukunft von jemand ist der verstirbt, so gibt auch der Zustand des Bewußtseins, worin die Eltern im Moment der Konzipierung sind, dem Kind eine Art Stempel, den es während seines Lebens reflektiert. Somit sind dies anscheinend solch kleine Dinge - die Stimmung des Moments, der Aspiration oder Degradierung des Moments, oder was sonst noch, all das in einem besonderen Moment stattfindet, - es scheint ein so kleines Ding zu sein und es hat solch eine große Folge; - es bringt ein Kind in die Welt, das unvollständig oder boshaft oder ein endgültiger Fehler ist. Und die Leute wissen nichts davon. Später, wenn sich das Kind schlimm benimmt, schelten sie es. Aber sie sollten damit beginnen sich selbst zu schelten und sich sagen: "In welch einem fürchterlichen Bewußtseinszustand muß ich gewesen sein, da ich dieses Kind in die Welt brachte." Denn das ist es wirklich.
Der Titel wurde vom Übersetzer hinzugefügt.
Auszug aus der Einleitung zu Living Within: The Yoga Approach to Psychological Health and Growth (Selections from the works of Sri Aurobindo and the Mother, Ed. A.S. Dalal, published by Sri Aurobindo Ashram Pondicherry, India and Institute of Integral Psychology, Ojai, CA, USA.)