Was ist Spiritualität?


Vorwort: Auch im europäischen Verständnis, hat das Wort Spiritualität noch einen etwas verstaubten und verschrobenen Klang. Dieser Artikel von Mangesh Nadkarni einem Inder, erschien in der Ausgabe 2003 des Online Magazins "Next Future" vom Sri Aurobindo Aschram. Um zukünftige Irrtümer zu vermeiden, werden wir uns deshalb mit diesem Begriff auseinandersetzen müssen.
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Einige Grundkonzepte des Integralen Yogas

Mit dieser Zeitung beginnen wir eine neue Serie deren Ziel es ist, beim Verstehen des Integralen Yogas von Sri Aurobindo und der Mutter, einige der wichtigen Konzepte zu erörtern. Obwohl der Ausdruck Yoga heute in vielen Teilen der Welt Anerkennung gewonnen hat, wird er immer noch von vielen als etwas Mystisches und Anormales betrachtet, das mit unserem Leben in der Welt keine Verbindung hat. Es wird geglaubt, daß ein Yogi dazu tendiert, seinen Halt an allgemeiner Existenz zu verlassen und zu verlieren. Ein Yogi wird deshalb zwangsläufig, im großen Strom unserer kollektiven Existenz und der säkularen Bemühung der Menschheit, als verloren angesehen. Diese falsche Vorstellung vom Yoga ist so verbreitet, daß aus dem Leben zu entkommen, weithin als das allgemeine Objekt des Yogas betrachtet wird. Sri Aurobindos Integraler Yoga ist ein Korrektiv zu allem Denken dieser Art, weil er versucht, das Göttliche und die Natur in einem perfektionierten menschlichen Leben wieder zusammenzuführen und bei seiner Methode, auf die Harmonie unserer inneren und äußeren Aktivitäten, in der göttlichen Vollendung beider abzielt. Für Sri Aurobindo ist alles Leben Yoga und wir sind alle Yogis, bewusst oder unbewußt.

Um diesen Yoga zu verstehen, ist es wichtig darüber begriffliche Klarheit zu haben, was Spiritualität ist, weil Yoga die methodisierte Bemühung ist, den Spirit zu realisieren der wir sind und dessen Vollkommenheit wir auf allen Stufen unseres Lebens zu manifestieren bestimmt sind. Also ist das erste Konzept, das wir in dieser Serie prüfen werden, Spiritualität.

Spiritualität ist in letzter Zeit oft mit Religion und Moral im journalistischen und sogar im akademischen Diskurs verwechselt worden. Die grundsätzliche Auffassung der Spiritualität ist, daß das normale menschliche Bewußtsein das unwissende Bewußtsein ist, da es von unserem wahren Selbst getrennt ist, das in Natur göttlich ist. Dieses normale menschliche Bewußtsein wird von den gemeinsamen Gewohnheiten des Geistes, Lebens und Körpers angeführt, die den Gesetzen der Unwissenheit folgen. Es ist wegen dieser Unwissenheit, daß wir meinen, daß wir in dieser Welt von allem getrennt sind. Obwohl Religion dem höheren Geist der Menschheit angehört, ist das religiöse Leben jedoch eine Bewegung desselben unwissenden menschlichen Bewußtseins; es ist eine Bewegung von der Unwissenheit weg, in Richtung des Bewußtseins der Einheit mit dem Göttlichen. Es ist eine Stufe, während der die menschliche Person noch nicht die Erfahrung von der Einheit mit dem Göttlichen hat, und wird von den dogmatischen Grundsätzen und Regeln irgendeines Glaubensbekenntnises geführt, das behauptet den Ausgang der Beschränkungen der Unwissenheit in ein glückseliges Jenseits gefunden zu haben. Was Spiritualität charakterisiert, ist eine Änderung des Bewußtseins, - aus der Unwissenheit ein separates, autonomes Bewußtsein zu sein, in ein Bewußtsein des Einklangs mit dem Göttlichen. Das religiöse Leben kann der erste Ansatz zum spirituellen sein, aber oft es ist eher ein sich Drehen in einer Runde von Riten, Ritualen und festgelegter Ideen und immer noch von der Unwissenheit dominiert.

Die Mutter bemerkte einmal, wenn Jesus zurückkäme, wäre er nicht in der Lage zu erkennen, was er in den Formen die ihm auferlegt worden sind lehrte. Dasselbe kann über Buddha gesagt werden; wenn er zurückkäme und sähe, was aus seiner Lehre gemacht worden ist, er würde sofort entmutigt ins Nirwana zurücklaufen. Alle Religionen haben dieselbe Geschichte zu erzählen. Ein großer Lehrer kommt und offenbart die göttliche Wahrheit, die er erfahren hat. Aber die Menschen ergreifen eine mentale Form von ihr, nützen sie aus und machen eine fast politische Organisation aus ihr. Sehr bald wird die Religion in eine zweite Unwahrheit gewickelt, die die Überzeugung ist, daß die eigene Religion die Höchste ist, die einzige Wahrheit und alle Anderen minderwertig oder Unwahrheit sind. Dies bringt Dogmatismus in credale Religionen. Wenn dies geschieht, wird Religion eine Behinderung des spirituellen Lebens, statt eine Hilfe zu sein. Aber Religion muß nicht solch ein Hindernis sein. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit nicht auf die Doktrinen und Dogmen der Religion, die künstliche Dinge sind, sondern auf die Aspiration des Menschen zur Einheit mit dem göttlichen Bewußtsein richten, das sie darstellt, dann kann sie eine Hilfe sein, damit wir uns dem spirituelle Leben nähern.

Die Mutter hat anerkannt, daß alle Religionen einer gewissen Anzahl von Menschen geholfen haben, besonders Leuten die eine große emotionale Kapazität besitzen und voller glühender Aspiration sind und einen einfachen und zweifelsfreien Geist haben. In jeder Religion gibt es manche, die zu einem hohen spirituellen Leben erstanden sind, aber es ist nicht die Religion, die ihnen ihre Spiritualität gab; es sind sie, die ihre Spiritualität in die Religion hineingestellt haben. Die Geschichte ist Zeuge der Tatsache, daß Religion der Impuls für die schlechtesten und besten Dingen gewesen ist. Sie ist ein Hindernis und eine Fessel, wenn Sie ihrem äußeren Körper anhängen; wenn Sie wissen, wie ihre innere Substanz zu verwenden ist, kann sie ihr springendes Brett ins Reich des Spirits sein.

Moral ist ein Versuch, unser Verhalten durch gewisse geistige Regeln zu leiten oder durch Anpassung an die Regeln eines gewissen geistigen Ideals, wie Gewaltlosigkeit oder Altruismus oder Humanitarismus zu leben. Moral hat mit der Regelung des menschlichen Geistes oder Vitals (der Lebensenergien) zu tun. Ein strenges Festhalten an moralischen Idealen, kann in Ihnen die Möglichkeit für den spirituellen Pfad schaffen. Ein moralisches Leben kann Sie für ein spirituelles Leben vorbereiten. Aber Moral ist nicht Spiritualität. Moral dient als ein Notnagel, den die Menschen verpflichtet sind anzuwenden, bis sie die Dinge wirklich im Licht des Spirits sehen können. Das menschliche Ego ist immer noch das Prisma, wodurch das Licht der Wahrheit im moralischen Reich gefiltert ist.

Es ist bekannt, daß sich das moralische Ideal in seinen Bestandteilen und seiner Komposition dann und wann und von Ort zu Ort unterscheidet. Und doch erklärt sich Moral als einzigartig und toleriert keine Variation oder kein Verlassen ihres Ideals. Es muß zugegeben werden, daß Moral nicht göttlich oder vom Göttlichen ist; sie ist vom Menschen und der Menschheit. Sie errichtet einen künstlichen Standard, im Gegensatz zur Vielfalt des Lebens und der Freiheit des Geistes. Die Mutter hat eine schöne Illustration gegeben, um den Unterschied zwischen Moral und spiritueller Sicht zu erklären. Betrachten Sie die Unterscheidung zwischen einer großzügigen Person und einer geizigen. Die Gesellschaft lobt den Ersteren als großzügig und uneigennützig und verachtet den Letzteren als egoistisch und habgierig. Aber aus spiritueller Sicht stehen sie beide auf gleicher Ebene; die Großzügigkeit vom Einen und die Habgier des Anderen sind beide Deformationen einer höheren Wahrheit. Es gibt eine Macht, eine göttliche Bewegung, die sich ausstreut und verbreitet und frei Gewalten und Dinge auswirft, von den materiellsten bis zu den spirituellen Ebenen. Der Mann, den wir als großzügig loben, drückt diese Bewegung aus. Es gibt eine andere Kraft, eine andere göttliche Bewegung, die Gewalten und Dinge von allen Ebenen sammelt und zusammenträgt. Der Mann, den wir geizig nennen, ist ein Instrument dieser Bewegung. Diese beiden Bewegungen sind wichtig, beide sind im gesamten Plan erforderlich. Wenn dem Göttlichen hingegeben, können beide zum Gebrauch für die göttliche Arbeit im gleichen Grad gemacht werden und einen gleichen Wert haben. Aber wenn sie nicht auf diese Art übergeben werden, werden beide von Impulsen der Unwisseneit bewegt. Die Impulse des sogenannten großzügigen Menschen und die Impulse der geizigen Person für das Hamstern, kommen beide von deren Ego und Begierden.

Es kann sein, daß der moderne Geist nicht sehr religiös ist, aber er versteht Religion. Seine eigenen höchsten Ideale, die Ideale die er bewundert, sind jedoch moralisch, obwohl er es häufig praktisch unmöglich findet, ihnen zu folgen. Bestenfalls ist der moderne Geist praktisch, ethisch, sozial, altruistisch und humanitär. Aber er versteht keine Spiritualität, die von Gott und vom Gotteszustand handelt, dem Ewigen und Unendlichen. Sogar wenn wir in einem Land wie Indien, das eine lange und immer noch lebendige Tradition der Spiritualität hat, eine Gruppe von Akademikern, Journalisten und Berufstätigen darum bäten den größten Inder des 20. Jahrhunderts zu nennen, werden wir wahrscheinlich von einer überwältigenden Majorität die Namen von Mahatma Gandhi oder Babasaheb Ambedkar und nicht von Sri Ramakrishna oder Sri Ramana Maharshi oder Sri Aurobindo bekommen. Der Grund dafür ist, daß jene, die in der ersteren Gruppe benannt sind, in verschiedenen Graden ethische und humanitäre Vorzüge darstellen, während jene in der letzteren Gruppe Beispiele für höchste spirituelle Leistung sind. Denn der moderne Geist ist im Grunde genommen der westliche Geist und Spiritualität ist für ihn ein vager Ausdruck, den er nicht vollständig versteht.

Lassen Sie uns jetzt eine kurze Passage von Sri Aurobindos epischem Gedicht Sawitri betrachten; sie gibt kurz an, was Spiritualität essentiel ist, wie sie grundlegend zur menschlichen Natur ist und wie sie die zugrundeliegende Wahrheit unserer gesamten Existenz ist.

Körperliche Erscheinung ist nicht alles;
Die Form täuscht, die Person ist Maske;
Verborgen tief im Menschen, verweilen himmlische Kräfte.
Sein Schiff trägt durch das Meer der Jahre
zerbrechlich ein Inkognito vom Unvergänglichen.
Ein Spirit bleibt, der eine Flamme Gottes ist,
Ein feuriger Teil des Wunderbaren,
Künstler eig'ner Schönheit und Freude,
Unsterblich in sterblicher Armut.
aus "Sawitri" dem Epos von Sri Aurobindo

Die meisten Leute halten ihren Körper als ihr wirkliches Wesen. Sie sind die meiste Zeit mit den Problemen beschäftigt, ihn zu ernähren, ihn gesund und effizient zu halten, ihn in Form zu halten und versuchen solange wie möglich, seine Jugend und sein Aussehen zu erhalten. Der Dichter leugnet nicht dem physischen Wesen Gebühr. Er sagt, daß sie "nicht alles ist", daß es viel mehr in uns außer unserem Körper gibt. Die äußere Form des Menschen ist trügerisch, weil sie alles weitere über ihn verbirgt. Sogar die sogenannte 'Persönlichkeit' die er im Leben erwirbt, ist nicht mehr als eine Maske. Sie ist nicht die wirkliche Person in ihm. Was wir unsere 'Persönlichkeit' nennen, ist in erster Linie unsere Oberflächenpersönlichkeit. Sie ist das Produkt der verschiedenen Einflüsse, die uns beeinflußt und geformt haben, - unsere Erziehung, unsere Bildung, der Einfluß von unserem Kollegenkreis, das Naturell der Zeiten in denen wir leben, usw. Dies ist das, was wir mit unserem "Ich" identifizieren, und entsprechend bestimmter Theorien, ist dies unsere wertvollste Sache und wir sollten versuchen, es um jeden Preis zu erhalten. Aber unser Dichter hält dies für nicht mehr als einen Schleier, der die wirkliche Person bedeckt. Diese Oberflächenpersönlichkeit von uns, ist sich der verschiedenen Kräfte und Kapazitäten, Tendenzen und Eigenschaften nicht bewußt, die in uns latent sind. In tieferen Schichten existieren in uns die Kräfte unseres inneren Wesens, (das innere physische, vitale und mentale) und noch tiefer ist die Seele oder das Psychische in uns. Es gibt auch Schichten des Bewußtseins, die über unserem normalen Bewußtsein sind, und die in verschiedenen Graden unsere göttlichen Höhen darstellen. Dann gibt es unsere sogenannten unbewußten und unterbewußten Teile, die Kräfte der Dunkelheit und Trägheit hegen. Auf diese Art ist unsere Oberfläche mit der wir uns identifizieren, in der Tat nicht mehr als die Spitze eines Eisbergs.

Die Zeilen erfassen durch ein schönes Bild, die eigentliche Quintessenz von dem, was Spiritualität ausmacht. Hier wird der Mensch mit einem Schiff und einem zerbrechlichen Schiff verglichen, da unser physisches Leben die ganze Zeit von Krankheiten und Kräften des Zerfalls bedroht, unter prekären Bedingungen geführt wird. Dieses zerbrechliche Schiff ist damit beschäftigt, beim Transportieren durch das Meer von Jahren, dem Meer der Zeit, "ein Inkognito vom Unvergänglichen" zu überbringen. "Inkognito" bedeutet, mit einer verborgenen Identität unter einer Verkleidung oder einem angenommenen Charakter. Was ist dieses Unvergängliche? Dies ist "der unsterbliche, ewige und unvergängliche Spirit", - wortgewandt beschrieben in vielen Heiligen Schriften als "das Unvergängliche, welches diese ganze Schöpfung durchdringt" (Gita) . Dies ist das Unvergängliche, die verkörperte Seele oder der Spirit welches, wie die Gita erklärt, die Waffen nicht verletzen, noch das Feuer verbrennen, noch das Wasser durchnäßen, noch die Winde austrocknen können. Die Gita beschreibt es auch als das, das nicht geboren wird, welches nicht stirbt, welches ewig und unendlich ist.

Somit ist die zentrale Vorstellung der Zeilen 45 und 46, daß unser Körper ein Schiff ist, das eine individualisierte Form des Unvergänglichen transportiert, vom Spirit den niemand erkennt, eingeschlossen wir selbst, weil er in einer Verkleidung reist. Diese Verkleidung ist das, was unsere Oberfläche kontrolliert; es ist unser Ego oder unsere Begehrens-Seele. Dieses Oberflächenwesen dominiert unsere Leben und zwingt uns, zu seiner Befriedigung zu leben. Aber es gibt einen Reisenden, den das Schiff transportiert, und dieser ist unsere Seele - eine verborgene Form des Göttlichen.

So ist das Wesentlichste bei der Spiritualität, die Erkennung der inneren Realität dieses Spirits, der wir wirklich sind. Dies ist, wie Sri Aurobindo Spiritualität im Göttlichen Leben definiert.

Spiritualität ist in ihrer Essenz:

1.) ein Erwachen zur inneren Realität unseres Wesens, zu einem Spirit, Selbst, Seele, das anders als unser Geist, Leben und Körper ist.
2.) eine innere Sehnsucht, das zu kennen, zu fühlen, zu sein.
3.) in Kontakt mit der größeren Realität darüber zu treten und das Universum zu durchdringen, welches auch unser eigenes Wesen bewohnt.
4.) in Gemeinschaft und Vereinigung damit zu sein, und
5.) eine Hinwendung, eine Umwandlung, eine Transformation unseres ganzen Wesens, als Resultat des Strebens, des Kontakts, der Gemeinschaft, eines Wachstums oder Erwachens, in ein neues Werden oder neues Wesen, ein neues Selbst, eine neue Natur. (Um seine verschiedenen Bestandteile zum Vorschein zu bringen, habe ich den langen Satz neu formatiert, aber auf keine Weise geändert.)

Beachten Sie die fünf Glieder der Spiritualität, die hier erwähnt werden. Zuerst erwacht man zur Gegenwart des inneren Wesens oder der Seele (das, wie wir oben gesehen haben, Inkognito ist); als zweites beginnen wir danach zu streben diesen inneren Bewohner, den Spirit in uns, zu erkennen, zu fühlen und zu sein; drittens, versuchen wir mit ihm Kontakt aufzunehmen; viertens, wir werden eins mit ihm; fünftens kann diese Gemeinschaft dazu benutzt werden, um unser Ganzes zu verwandeln, das heißt, daß alle Teile unseres Wesens, Körper, Leben und Geist, sich wandeln können, so daß sie die Ergebnisse dieser Gemeinschaft manifestieren können.

Es muß beachtet werden, daß der innere Bewohner oder der Spirit, auf den wir hier verwiesen haben, nicht nur in uns weilt, sondern auch das ganze Universum durchdringt und sogar übersteigt. Diese große Realisierung ist von den zwei berühmten Formeln der Upanischaden verkündet worden: so'ham ("Er bin Ich.") und aham brahmasmi ("Ich bin das Brahman, die ewige oder endgültige Realität."). Bitte bemerken Sie auch, daß diese Vorstellung vom Brahman oder "die endgültige Realität" oder das Göttliche, die so wesentlich für Spiritualität ist, kein sonder-kosmischer Gott ist, der ein Universum gänzlich von sich getrennt schuf, über das er vollständige Kontrolle hat. Gott ist ein Ausdruck, der von Religionen verwendet wird, um sich auf ein mächtiges Wesen zu beziehen, das anders als diese Schöpfung und außerhalb ihrer ist. Wir verwenden den Ausdruck, wie das "Göttliche", um auf das Höchste Bewußtsein zu verweisen, von welchem diese ganze Schöpfung im Moment eine imperfekte Manifestation ist. Warum solch ein Bewußtsein beschloß, diese Schöpfung überhaupt und auch solch eine unvollkommene Manifestation zu schaffen - dies sind metaphysische Fragen, die wir hier nicht entscheiden wollen.

Es gibt keine Spiritualität ohne ein Erwachen zum Spirit, der in uns weilt, der anders als Körper, Leben und Geist ist und sobald wir erwacht sind, ohne einen bewussten Versuch, eins damit zu sein. Was immer auch uns in diesem Bestreben hilft ist spirituelle oder yogische Sadhana (Praxis) und das, das uns nicht hilft, ist nicht spirituelle Sadhana, sei es die Studie heiliger Bücher, die Meditation, die Menschenfreundlichkeit, die rituelle Verehrung, das Singen, usw. Was vor uns jetzt die größere spirituelle Realität die wir sind verbirgt, ist unser Ego. So daß, was immer hilft, den Schleier vom Ego beiseite zu drücken, spirituelle Praxis ist und das, das die Macht des Egos in uns stärkt, ist unspirituelle Aktivität. Somit sehen wir, daß es nicht die Natur der äußeren Aktivität ist die bestimmt, ob sie spirituell ist oder nicht, aber die Wirkung die sie auf uns hat. Stärkt die Aktivität, (zum Beispiel: die Meditation oder das erwerben von Gelehrtheit von heiligen Büchern oder sogar das Geben spiritueller Diskurse usw.) unser Ego? Oder schwächt sie es und hilft uns letztlich beim Auflösen unseres Egos, so daß wir die Gegenwart des Funkens der Höchsten Realität innerhalb unser erfahren können? Dies ist die eine unfehlbare Meßrute und aus diesem Grund kann es nicht auf andere angewandt werden; bestenfalls kann es auf sich selbst angewandt werden, wenn man sich selbst gegenüber aufrichtig ist.

Aber im gewöhnlichen Geist gibt es viele falsche Vorstellungen davon, was Spiritualität ist. Deshalb hat Sri Aurobindo sorgfältig darauf hingewiesen, was keine Spiritualität darstellt.

...es muß deshalb hervorgehoben werden, daß Spiritualität nicht eine hohe Intellektualität, nicht Idealismus, nicht ein ethischer Zug vom Geist oder moralische Reinheit und Strenge, nicht Religiosität oder eine glühende und gehobene emotionale Leidenschaftlichkeit, nicht einmal eine Zusammensetzung all dieser ausgezeichneten Dinge ist; eine geistige Überzeugung, ein Glaubensbekenntnis, eine emotionale Sehnsucht, eine Verhaltensregel entsprechend einer religiösen oder ethischen Formel sind nicht spirituelles Erreichen und Erfahrung. Diese Dinge sind von beträchtlichen Wert für den Geist und das Leben; sie sind für die spirituelle Evolution selbst als vorbereitende Bewegungen der Disziplinierung und Läuterung von Wert oder um der Natur eine geeignete Form zu geben; aber sie gehören noch zur geistigen Evolution, - der Anfang einer spirituellen Verwirklichung, Erfahrung, Änderung ist noch nicht da.

Sri Aurobindo erwähnt im "Göttlichen Leben" die verschiedenen Dinge die oft mit Spiritualität verwechselt werden, wie hohe Intellektualität oder Idealistischsein, oder von hohen ethischen Prinzipien geführt zu sein, oder dem Führen eines sehr strengen Lebens. Glühender geistiger Glaube oder Hingabe im Herzen, ist auch nicht das Kennzeichen von Spiritualität. Dies sind alles edle und gute Dinge und von beträchtlichen Wert für Geist und Leben; sie können eine ausgezeichnete Vorbereitung für Spiritualität sein. Es gibt eine wichtige Sache, die in all diesem vermißt wird, nämlich das Erfahren seiner Seele und der Einklang mit ihr.

Die Zeilen (im oben zitierten Sawitri) sagen uns wer oder worauf sich dieses 'Inkognito vom Unvergänglichen' bezog. Es ist ein Spirit, der eine Flamme Gottes ist (dem Höchsten Bewußtsein), und das er "übersteht", er fährt fort zu sein. Dieser Funke der Flamme Gottes verdorrt oder verschwindet niemals, weil er in seiner eigentlichen Natur unvergänglich ist. Er ist 'ein feuriger Teil des Wunderbaren' adbhutam, wie der Rigveda den Funken des Göttlichen in uns beschreibt. Er wird weiter als der Künstler seiner eigenen Schönheit und Freude beschrieben, der unsterblich in unserer sterblichen Armut lebt. Die Welt, die wir um uns herum sehen, wird von diesem Künstler, dem göttlichen Spirit geschaffen, und was nötigt ihn zu schaffen? Er tut es zu seiner eigenen Freude. Dies ist eine Weise, den Ursprung dieser Welt zu erklären. Wir gehen hier in dieser Angelegenheit nicht in jedes weitere Detail, weil es ziemlich viele verwandte metaphysische Angelegenheiten heraufbringt.

Der Spirit in uns ist das, was in unserer Armut unsterblich ist. Alles von uns ist endlich, außer dem Göttlichen Funken, der in uns weilt. Und das, das endlich ist, ist arm; es ist beschränkt und es ist vorübergehend. Die Upanischaden sagen uns na alpe sukham asti (es gibt kein Glück im Endlichen), - was immer endlich ist, versäumt uns wahres Glück zu geben, das Glück das dauert. Es gibt nur in der Unendlichkeit Glück. Wenn wir beginnen die innere Realität zu erfahren die wir sind, öffnen sich uns die Schleusentore von unendlichem Glück und auch die Überzeugung, daß wir unsterblich sind, weil der Tod nur zu dem kommt, was endlich ist.

Zum Abschluß: Spiritualität ist der Versuch, im höchsten Selbst, dem Göttlichen, der allumfassenden Einheit, zu wissen und zu leben und das Leben in allen Teilen zu den göttlichst möglichen Werten anzuheben.


(Mangesh Nadkarni zog sich vor einigen Jahren als Linguistikprofessor zurück. Er freut sich, mit so vielen Leuten wie möglich das zu teilen, was er bei seiner Studie über Sri Aurobindo und der Mutter erhält)

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