Wie begegne ich der Gewalt?

Die Gewalt im täglichen Leben und ihre Bewältigung
Autor R.Helmecke

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I.

Zweifellos ist die Gewalt eine der gefährlichsten und gefürchtesten Peitschen des Lebens.

Sie hat viele Arten und Formen, die nicht nur körperlicher Art sein müssen. Gewalt im Denken und Fühlen, geht der körperlichen Gewalt oft voraus. Ein Yogi oder Priester bewältigt dies dadurch, daß er alle Gewalt aus seinem Denken und Fühlen entfernt und dem Göttlichen Meister im Innern übergibt, was zur Folge hat, daß diese auch im Äußeren seines persönlichen Umfeldes verschwindet.

Im täglichen Leben des Einzelnen und des Kollektivs, sieht es jedoch ganz anders aus. Der naive Spruch den ich mal auf einer Mauer gelesen habe, 'stellt euch vor es ist Krieg und keiner geht hin', würde heißen sich dem Feind hilflos auszuliefern, weil im Krieg immer irgend jemand irgendwo hin geht oder ganz gewiß zu ihnen kommt. Also die Augen zuzumachen in der Hoffnung, was ich nicht sehe existiert auch nicht, à la Vogel Strauß, wird ihnen eine böse Überraschung bescheren. Und doch gehen die meißten Menschen diesem, wie auch jedem anderen Problem gerne dadurch aus dem Weg, indem sie so tun als ob es nicht da ist. Eine fatale Haltung. Was aber dann?

Wir erinnern uns noch mit Grausen der Greueltaten der Serben, denen die europäische Politik nichts entgegenzusetzen hatte, als ihr zögerliches und unentschlossenes gequältes Handeln, was die Anzahl der Toten und das Leid nur noch erhöhte. Es ist sehr bitter diesem hilflos zusehen zu müssen. 50 Jahre brüderlichen Zusammenseins im Kommunismus haben, wie wir gesehen haben überhaupt keine Früchte gezeigt. Sobald der Druck der Umstände aufgehoben war, verschwand auch ihre Brüderlichkeit, die sie so stolz lange Jahre proklamiert hatten.

Und es scheint im Kosovo weiterzugehen.


Man fragt sich ob der Mensch eigentlich lernfähig ist, was den Bereich seiner Gefühle und moralischen Empfindungen betrifft oder ob er ein ewiges Herdenvieh ist, welches immer die gleichen Ergebnisse hervorbringt. Filmhelden reichen aus, um ihre Stimmung zu beeinflussen und auf das tägliche Leben weiter zu tragen. Ich kann mir nicht helfen, in Filmen wie Rambo und ähnlichen Werken, die die Gewalt verherrlichen und die damals dort sehr populär waren, eine der Ursachen des Konflikts in Jugoslawien zu sehen. Zumindest wirkten diese Art Filmwerke begünstigend und fördernd auf die Gefühlswelt der dortigen Menschen, worauf auch einige Presseberichte in einigen Zeitungen hingedeutet hatten. Sie wurden also aufgewiegelt.

Der Mensch ist immer noch Kind, vergessen wir das nicht.

Ohne Zweifel kann dieses Verhalten weder mit den Mitteln der Moral, noch denen der Religion gänzlich beherrscht oder beseitigt werden. Und das weder im Kollektiv noch im Individuum, sonst wäre es nämlich schon längst so. Beide halten dieses Tier im Menschen zwar im Schach, aber bei der geringsten Gelegenheit die sich ihm bietet, erhebt es sein Haupt und triumphiert, wie wir jetzt entsetzt wieder in Jugoslawien gesehen haben, - einer zivilisierten Welt, wie wir geglaubt haben.

Und es gibt so viele andere Beispiele in der gegenwärtigen und vergangenen Geschichte. Afrika und Südamerika bluten unentwegt.


Wäre ein Hitler in Deutschland heutzutage wieder möglich, fragt man sich? Bei denen die ihn erlebt haben gewiss nicht, von den Unbelehrbaren mal abgesehen. Aber die Hitlers bestehen nicht nur in Deutschland, der Irak gibt uns ein deutliches Beispiel dafür. Und was ist mit der Rechten Bewegung bei uns, werden sie fragen. Ist das gewalttätige Element im Menschen ein nicht zu bewältigender ewiger bedrohlicher Faktor, mit dem man leben muß? Der nach einer gewissen Zeit der Unterdrückung und Verdammung so tut, als ob überhaupt nichts gewesen ist und mit einer volleren und noch stärkeren Kraft zurückkehrt? Kann und will er seine eigene Verworfenheit überhaupt sehen? Ist dies der ewige Kampf zwischen Gut und Böse?

Jeder der der Gewalt einmal begegnet ist, wird sich verzweifelt fragen, was kann ich dagegen tun oder was soll ich ihr entgegensetzen? Im Moment des gewalttätigen Aktes wird ihnen nämlich keinerlei Zeit für philosophische Überlegungen bleiben. Man flieht oder stellt sich ihr entgegen und der Ausgang ist oft ungewiss. Er kann mir Leid bringen oder auch das Leben kosten, - das Resultat ist Schmerz. Und auf der körperlichen Ebene ähneln wir uns alle zutiefst, - Mensch und Tier und Baum.

Ich erinnere mich an Episoden meines Lebens in jüngeren Jahren, in denen ich öfters mit der Gewalt konfrontiert wurde und das natürlich auch, weil sie in mir war. Eines war mir immer klar, daß man der Gewalt nicht entgeht indem man vor ihr flieht, eher stellte ich mich ihr ohne Furcht und daß manchmal mit und manchmal ohne Erfolg. Vor mir selbst hatte ich dann allerdings in jedem Fall bestanden.

Niederlagen ertrug ich mit heroischer Fassung.

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II.

Sri Aurobindo sagt in einem seiner Aphorismen:

"Gott schlug mich mit einer menschlichen Hand,
soll ich dann sagen: 'Oh Gott, ich vergebe dir deine Unverschämtheit?"

Heißt das nun, daß ich der Gewalt ein passives Dulden entgegensetzen soll, wie es ja auch von gewissen Lehrern der Menschheit empfohlen und geübt wurde und wird, siehe Gandhi und Lanza del Vasto oder Martin Luther King, von denen nur ein einziger friedevoll starb, vielleicht weil er sie selbst in sich bemeistert hatte. Begegnet man ihr wahrhaft furchtlos, kann es zweifellos ein gutes Ergebnis hervorbringen: siehe das Beispiel des römischen Kaisers Augustus, der mit seiner Ruhe einen vor ihm stehenden, ein Messer in der Hand haltenden Mörder in Schach halten konnte und ihn schließlich mit dieser Ruhe in die Flucht schlug. Nun ist allerding Augustus nicht jedermann. Auch Seneca der soviel Gutes über die Seelenruhe schrieb, wurde ja ein Opfer der Gewalt.

Im Moment jedoch, wenn ihnen Angesichts der Gewalt Blase oder Darm versagt, haben sie schon verloren. Furcht läßt sich nicht allein mit mentalen Mitteln beherrschen, - unterdrücken ja, und das versucht man zuerst, aber sie wirkt im Unterbewußten weiter, wohin man sie verdammt hat und von wo sie aufsteigt (oder aus noch tieferen Gegenden) und genau das herbeizieht, was man fürchtete und das natürlich auch in den großen Verkündern der Gewaltlosigkeit, auch sie wurden ihre Opfer. Sokrates und Jesus starb unter ihr, wie auch Andere.

Sie ist unbestechlich.


In der Tat ist der allgemeine Mensch im Normalfall nicht gegen die Gewalt gewappnet. Sie verfolgt ihn und zwingt ihn sich mir ihr auseinanderzusetzten. Und das leider sehr schmerzhaft. Man könnte resigniert sagen, er ist nun mal das Herdenvieh, das gefüttert und geschlachtet wird und dagegen läßt sich nichts machen.

Gäbe es nun nicht einzelne Individuen, die sich nicht mit einer solchen Haltung zufrieden geben und die durch ihr Beispiel der Gewalt mutig entgegen zu treten, die Mehrheit zu einem tapferen Handeln befähigen, wäre die Lage gewiss sehr aussichtslos. Auch hier finden sich viele Beispiele in der Geschichte. Luther, Jean de Arc, und all die lokalen Patrioten und in neuerer Zeit gewiss auch J.F.Kennedy und auch Lanza del Vasto.

Einer kollektiven Haltung muß deshalb die individuelle Haltung vorausgehen. Das Kollektiv ist eine Zusammensetzung von Individuen und Gruppen und wir können vom Kollektiv nicht mehr erwarten, als seine Zustimmung oder Ablehung zu den Aktionen Einzelner. Dann allerdings wirkt es mit seinem Gewicht und das meißt endgültig und radikal. Die große Masse läßt sich nur von individueller Aktion zu einer Reaktion bewegen.

Ansonsten ist sie wie ein träger Fluss, ruhig fließend und der Dinge harrend.

Das ist der Grund warum der Einzelne sich mutig zur Tat aufraffen muß und dadurch die Mehrheit für sich gewinnen kann. Das haben die Diktatoren immer gewußt. Die Masse wiegt durch ihr Gewicht der Quantität, der Einzelne durch Qualität. Die Qualität der Masse, ist also die Summe der Qualität der Einzelnen.

Diese Einsicht führt zu entschlossenem, mutigen und bewußtem Handeln.


Wir sehen also, daß es zwei Wege gibt, um die Gewalt zu bemeistern.

Einmal den der Aufgabe alles gewalttätigen Handelns und Denkens in sich selbst, - der Weg des Yogis oder des Priesters, des Druiden, wie man sie im kelto-germanischen Raum im Altertum einmal nannte. Zum anderen den Weg, der sich der Gewalt mutig entgegenstellt und sie mit gleicher Kraft wirkungslos macht und auflöst, - der Weg des Kriegers.

Für welchen wir uns auch immer entscheiden mögen, beide erfordern unsere dauernde Bemühung und Übung.

Den Weg des Yogi habe ich oben kurz erläutert. Für den Weg des Kriegers gilt es, körperlichen Mut durch Kampfestechniken der Selbstverteidigung zu ergänzen. Einem Feind der mir gegenübersteht, kann ich mit ruhiger Erwartung begegnen, wenn ich mich im Besitz der Fähigkeiten weiß, die seinen Angriff zunichte machen können. Das erspart mir die Schmach der Hilflosigkeit.

Ich denke hier an alle fernöstlichen Kampfestechniken, die ohne irgendeine Waffe wirksam sind und geübt werden können. Mittlerweile findet sich auch die alte indische Technik der Selbstverteidigung wieder, die lange von den Engländern verboten worden war, denen sie wohl Furcht eingeflößt hatte. Es ist zu hoffen, daß auch diese in Europa Einzug nehmen wird.

Zu diesem Schritt möchte ich alle die ermutigen, die sich dafür berufen fühlen. Das gilt sowohl für den Einzelnen, sowie auch für Gruppenerziehung in Schulen. Einer ganzen Nation könnte man so den Stempel einer bewußt der inneren nationalen Gewalt entgegenzutreten wissenden Gruppe geben. Das währe wahrhaft ein lohnendes Ziel. Und vor noch nicht allzulanger Zeit gab es einmal ein Rittertum in Europa, welches genau diesen selben Zweck verfolgte, zumindest in seinen Anfängen. Lanzelot und die Ritter König Arthurs haben uns lange, lange als Vorbild gedient.


Das Bild des sich Angesichts der Gewalt benässenden Mannes, das vor nicht allzu langer Zeit durch die Zeitungen ging, steht uns immer noch vor Augen und sollte einer Nation unwürdig sein. Schließlich ist der Nationalsozialismus nicht zuletzt durch solcher Art Furcht an die Macht gekommen, d.h. durch einen Mangel an Zivilcourage, wie es J.F.Kennedy ausgedrückt hätte. Damit wären die Zeiten einer vom Alkohol berauschten, besinnungslos und wild um sich hauenden Herde Vieh, die uns mit Entsetzen erfüllt und uns aus unserem Schlaf der Unschuld reißt vorbei.

Das wäre ein Vorschlag einer Lösung um der Rechtsextremität, sowie auch der allgemeinen Kriminalität und Gewalt zu begegnen, der sich besondes an die Jugend richtet.

Persönliche Einsatzbereitschaft und Fähigkeit, anstatt einer hilflosen und gefügig feigen Haltung.

Überlassen wir diese nicht nur fernöstlichen Filmhelden. Ist die Jugend doch zurecht von diesen begeistert, spürt sie doch intuitiv, daß ihr hier ein Mittel in die Hand gegeben wird, mit dem sie der Gewalt begegnen kann. Schließlich ist auch sie ihr ausgesetzt. Wir sollten dies als ein positives Zeichen nehmen. Aber es muß effektiv gemacht werden, das heißt ausgebildet und organisiert, sonst bleibt es nur Wildwuchs.

Dies wäre also eine Aufgabe für zukünftige Erziehungswissenschaftler.

Heil Hitler, gröhlten die Horden. Heil ja, aber nicht Hitler, sondern dem Guten und Rechtem. Und heilen kann nur das seelische Element im Menschen. Also das Göttliche. Diesem wünschen wir Sieg Heil!

In diesem Sinne - Heil dir Deutschland!

Ihr R. Helmecke

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