Die Dynamik der Spiritualität

Vorwort. Spiritualität war immer etwas, das vom Leben hinweg führte, nicht mit ihm vereinbar war, - weil die Welt konträr zu ihr gesehen wurde. Sie gab die Instrumente des Handelns auf, um sich in sich zu kehren und ihr Glück in der Einsamkeit von Klöstern zu suchen. Und das im Osten wie auch im Westen. Nolini, ein Schüler Sri Aurobindos, weist auf eine neue Möglichkeit des spirituellen Lebens hin, die beides Welt und Spirit vereinigt und versöhnt. Die Welt mit Hilfe und für den Spirit zurück zu erobern, ist sein Anliegen. Webmaster.


"Gib Cäsar, was Cäsar gehört, und Gott was Gott gehört" - wir unterstützen das Motto nicht. Wir geben nicht zu, daß die Welt und der Spirit unversöhnlich und unvergleichbar sind. Im Gegenteil, wir behaupten ihre wesentliche Einheit und Identität. Die spirituelle Kraft ist nicht und muß nicht impotent sein oder in Cäsars Domäne am falschen Platz sein. Eher ist es der spirituelle Mensch, der das Geheimnis allein besitzen kann, die Kräfte die banale Dinge ausarbeiten, perfekt und fehlerlos zu beherrschen.

Aber dann kann gefragt werden, wie kommt es das wir in der Geschichte der Welt, Tatmenschen finden, große dynamische Persönlichkeiten, die besonders in Charakter und Einstellung nicht etwa spirituell, sondern eher banal sind? Alexander, Cäsar, Napoleon, Chandragupta (hier), Akbar (hier), sogar Shivaji (hier) waren keine spirituellen Persönlichkeiten; ihre Taten waren von der Welt und von weltlicher Natur. Und die Gewalt die sie ausübten, kann nicht als spirituell beschrieben werden und doch, wie wirksam sie war, welche mächtigen Änderungen sie in den Angelegenheiten der Menschen bewirkte! Und sehen wir tatsächlich in den Leben der Heiligen und wahren spirituellen Seelen nicht, daß die Kraft des Spirits, wenn sie Kraft genannt werden kann, sich vom Feld der Dynamik weg bewegt, sich zu einer Ebene oder einer Höhe wendet, wo alle Anreize und Impulse zum Handeln still werden und am Ende verschwinden? Die spirituelle Kraft wird angewandt, um alle banale Aktivität zu negieren und aus dem profanen Feld des Lebens herauszukommen. Das ist die Fertigkeit des Yogas, auf den in der Gita verwiesen wird, das ist wie wir die Vorschrift "Untätigkeit in Tätigkeit" und "Tätigkeit in Untätigkeit" sehen und verstehen sollen.

Nun gibt es hier mehrere zu unterscheidende Dinge. Zuallererst, selbst wenn es als wahr akzeptiert wird, daß es in der Vergangenheit weltliche Menschen allein gewesen sind, die in der Welt aktiv dynamisch waren und daß spirituelle Menschen, Menschen von Untätigkeit waren, deren Rolle es war sich aus der Welt zumindest passiv zurückzuziehen und gleichgültig hinsichtlich banaler Aktivitäten zu sein, beweist das nicht, daß dies eine ewige Wahrheit ist und für immer bleiben muß. Wir müssen uns daran erinnern, wenn wir den evolutionären Charakter der Natur vom Menschen, von seinem Wachstum und seiner Erfüllung zugeben, diese Spiritualität in einer ihrer Formen auf einer frühen Stufe, eine Bewegung des Rückzugs ist und von verminderter Dynamik im Sinn einer "Introvertierheit" sein sollte. Denn wenn der Mensch immer noch hauptsächlich in der vitalen Domäne lebt und voller rohen Lebensdrang ist, wenn das Tier immer noch in ihm dominierend ist (worauf die Tantrik Disziplin auch hinweist), dann ist eine rigorose Askese und Selbstverleugnung für die Läuterung und Sublimierung der Natur erforderlich. Auf dieser Stufe sollten auch Kräfte und dynamische Kapazitäten, die sich oft im Verlauf solch einer Disziplin entwickeln, sorgfältig vermieden und verworfen werden; denn sie dienen eher dazu, das Bewußtsein zur gewöhnlichen Ebene herabzuziehen. Aber wenn das das Verfahren und Prinzip in der Vergangenheit gewesen war, braucht man es nicht in das Präsens und die Zukunft zu externalisieren. Wir glauben, daß die Menschheit - ein guter Teil der Menschheit in seinem Innenbewußtsein, - genügend auf der vitalen Ebene vorangekommen ist, um in der Lage zu sein, seinem Leben eine neue Wendung zu geben und einem anderen Verlauf der Entwicklung zu folgen. Wenn er nicht völlig über das Tier hinausgewachsen ist, hat es wenigstens ein höheres Element überlagert oder ist ihm eingeflößt worden, und er kann sehr gut den Agelpunkt seiner Natur in dieser überlegenen Position finden und ein neues Muster von Werten und Werdenswegen anordnen. Mit anderen Worten muß er die sogenannten minderen Kräfte nicht mehr insgesamt scheuen oder vermeiden, - das physico-vitale in ihm, sondern versuchen sie für höhere göttliche Zwecke in der Welt auf der Erde zu kontrollieren und zu verwenden. Denn die Erde verkörpert schließlich den entscheidenden Komplex. Was auch immer am Ende getan werden soll, muß hier getan, hier bewirkt und festgelegt werden. Der Rückzug war für eine Läuterung und ein Haushalten mit den Kräften erforderlich, so daß sie hervorgebracht und zu korrekter Zeit und am korrekten Ort angewandt werden können, - es ist, reculer pour mieux sauter, zurückzufallen, um so besser vorwärts zu springen.

In Wirklichkeit jedoch ist Spiritualität - die Kraft des Spirits, für eine Vorstellung, die hinter und über die Erscheinungen sieht, immer dynamisch; die spirituelle Seele ist, sogar wenn sie passiv und träge scheint, zuhöchst aktiv, - nicht lediglich in der subtilen psychologischen Domäne, aber auch im materiellen Feld. Dem äußeren pragmatischen Auge zum Beispiel, erscheint Ramakrishna als eine kleinere dynamische Persönlichkeit, ein nicht so starker und heldenhafter, wenn nicht positiv schwächerer Charakter als Vivekananda. Nun, das ist nur oberflächlich. Vivekananda selbst wußte und meinte und sagte, daß er nur einer von Hunderten von Vivekanandas war, die sein einfacher und bescheiden schauender Guru schaffen konnte, wenn er wollte. Sogar ein Ramdas. Ramdas war nicht lediglich ein spiritueller Berater für Shivaji, der vor allem mit der inneren Errettung und Entwicklung seines Jüngers beschäftigt war und nur in zweiter Linie mit den äußeren materiellen Aktivitäten, den Dingen Ceasars. Die zwei Bereiche sind nicht separat, wenigstens in diesem Fall nicht; das Spirituelle beeinflußt hier das Physische direkt und dynamisch. Der spirituelle Führer ist der Dynamo der Kraft - die Matrix, der spirituellen Kraft; er führt und ordnet die verborgenen, geheimen Gewalten, die hinter den äußeren Formen und Bewegungen sind. Und der Jünger wird bei seiner huldigenden Einstellung und Aufnahmefähigkeit, umso eher ein Kanal und Instrument für das eigentliche Spiel und die Erfüllung dieser Gewalt. Ein Govind Singh (hier) ist ein anderes Beispiel von in banalen Dingen dynamisch gemachter spiritueller Kraft. Und wir haben von jeher das klassische Fallbeispiel von Rajarshi Janaka (hier).

Nur ist zukünftig eine noch größere Quelle spiritueller Kraft dazu bestimmt, auf der Ebene der Ereignisse angezapft und ins Spiel gebracht zu werden, so daß die materielle Domäne, das Muster von unserem gegenwärtigen täglichem Leben, einen anderen Aspekt anlegt; denn ein strahlendes Bewußtsein wird ein neues Leben in unsere körperlichen Zellen gehaucht haben.

Nachwort des Webmasters: Nolini deutet in seinen letzten Worten auf die Dynamik des supramentalen Lichtes hin, daß sich langsam über die Erde verbreitet und die Geschehnisse durch seine Botschafter beeinflussen wird.

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(Nolini Kanta Gupta war ein Revolutionär, Linguist, Gelehrter, Kritiker, Dichter, Philosoph und ein Mensch von tiefer spiritueller Verwirklichung. Autor von fast 60 Büchern, deren er ein Treuhänder vom Sri Aurobindo Ashram war).

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