Leider gibt es keine Zeitangabe im Orginal. Wahrscheinlich kurz nach seinem Buch "Essays über die Gita" als Zeitungsartikel in einem Bengalischen Journal geschrieben. Siehe auch das Nachwort des Webmaster.
Die Disziplin (Dharma), von der in der
Gita¹
gesprochen wird, kann von jedermann ausgeübt werden; sie ist Allen
zugänglich und doch ist der höchste Status in dieser Disziplin
keinesfalls geringer, als der jeder anderen. Die Disziplin der Gita, ist die
Disziplin des wunschlosen Arbeitens. In diesem Land hat sich mit dem
Wiederaufleben Arischer Disziplin, überall eine Flut der Askese
verbreitet. Ein Mensch aber, der den Rajayoga sucht, kann sich nicht mit dem
Leben oder der Arbeit eines Haushälters zufriedengeben. Für die
Ausübung seines Jogas, muß er gewaltige mühsame Versuche
machen, um in der Lage zu sein zu meditieren und sich zu konzentrieren. Eine
geringfügige mentale Störung oder der Kontakt mit der
Außenwelt, wirft die Haltung der Meditation um oder zerstört sie
völlig. Auf Schwierigkeiten dieser Art, trifft man im Familienleben im
reichen Maße. Deshalb ist es für jene, die mit einem vom letzten
Leben herrührenden Drang zum Yoga geboren sind, ziemlich natürlich
sich der Askese zuzuwenden. Wenn solche Seelen mit einem angeborenen jogischen
Drang beginnen an Zahl zuzunehmen und durch Ansteckung in der jugendlichen
Generation eine starke Tendenz zur Askese verbreiten, sind die Türen
für das Wohl des Landes im gewissen Sinn tatsächlich aufgegangen;
aber zusammen mit dem Wohl entsteht auch die Ursache für
Befürchtungen. Es wird gesagt, daß die asketische Disziplin die
allerbeste ist, aber sehr wenige fähig sind ihr zu folgen. Die
Unfähigen die den Pfad betreten, gehen eine gewisse Distanz und hören
dann auf halbem Weg durch eine Art Zufriedenheit, die sich aus Lethargie und
Trägheit ergibt, auf. Man kann auf diese Weise sein Leben auf Erden in
Behagen verbringen, aber dann tut man nichts Gutes für die Welt und es
wird auch für einen solchen sehr schwierig, zu den höheren Bereichen
der Welt aufzusteigen.
Die Zeit und die Umstände in denen wir gegenwärtig sind verlangen, daß wir die Eigenschaften dynamischer Energie (Rajas) und leuchtender Haltung (Sattwa) erwecken, - das heißt, Aktivität und Wissen; die Eigenschaften der Trägheit weiter ausrangieren und uns dem Dienst am Land und der Welt widmen, so daß wir die moralische und spirituelle Stärke unseres Landes verjüngen können. Dies ist heute unsere vorderste Pflicht. Wir haben ein Arisches Volk, reich an Wissen, Macht und weiter Universalität, aus dem Mutterschoß dieser schwachen und verschlissenen, von Trägheit niedergedrückten und in egoistischen Grenzen eingeengten Völker wiederzuerschaffen. Aus diesem Grund werden so viele Seelen voller Stärke und jogischer Kraft in Bengalen geboren. Wenn solche Leute vom Zauber der Askese angezogen, ihr wahres Lebensgesetz und ihre Gott gegebene Arbeit verlassen, dann kommt damit auch die Nation mit der Zerstörung ihres wahren Gesetzes um. Die jüngere Generation scheint sich vorzustellen, daß die Stufe des Studenten (Brahmatscharja), die für den Erwerb von Bildung und Charakter festgelegte Zeit ist und die nächste festgelegte Stufe, die des Haushälters und wenn man den Fortbestand der Familie und die zukünftige Bildung Arischer Rasse gesichert hat und sich so von den Verpflichtungen zu den Vorfahren befreit hat, und auch der Gesellschaft seine Verpflichtungen, durch den Erwerb von Reichtum und durch nützlichen Dienst abgezahlt hat, und wenn man in der Lage gewesen ist, die Mutter der Welten durch unbeschränkte Arbeit und hohen Dienst für das Wohl von Mutter Indien zufriedenzustellen, es dann nicht mangelhaft sein wird, sich aus der Welt in den Wald (Vanaprastha) zum asketischen Leben zurückzuziehen. Anderenfalls entsteht Verwirrung sozialer Werte und eine wachsende Dominanz vom falschen Gesetz. Ich spreche nicht von den jungen Asketen, die von allen Verpflichtungen in einem vorherigen Leben befreit worden sind; aber es wäre falsch für jemand, der sich nicht für die Askese vorbereitet hat, sich dazu zu entscheiden. Der große und großmütige Buddhismus, hat ohne Zweifel dem Land ein immenses Wohl gebracht und hat doch, wegen des überall verbreitenden Asketentums und wegen der Kriegerklasse (Kschatrija), die auf ihre eigene bestimmte Funktion verzichtet hat, nicht weniger geschadet und am Ende wurde er selbst aus dem Land verbannt. Im neuen Zeitalter darf die neue Regelung diesen Fehler nicht zulassen.
Schri Krischna hat in der Gita Ardschuna wieder und wieder angewiesen, keiner Askese zu folgen. Warum? Er erkennt die Tugend des Sannjasa (des Asketen, A.d.Üb.) zwar an, doch zog Schri Krischna trotz wiederholter Befragungen Ardschuna's, der wie überwältigt vom Geist der Askese, Entsagung und Altruismus war, nie seinen ausdrücklichen Befehl bezüglich auf den Pfad des Wirkens zurück. Ardschuna fragte: "Wenn im Joga begründete wunschlose Intelligenz größer als Karma ist, warum verpflichtest du mich dann zu diesem schrecklichen Werk meine Ältesten zu erschlagen?" Viele haben die Frage von Ardschuna wiederholt, manche haben nicht gezögert ihn den schlimmsten Lehrer zu nennen, einer der den falschen Weg zeigt. In Antwort hat Schri Krischna erklärt, daß Entsagung größer als Askese ist; sich an Gott zu erinnern und das Werk ohne Begehren zu tun, ist weit größer, als die Freiheit so zu handeln wie man möchte. Entsagung bedeutet Verzicht auf Begehren, Verzicht auf Egoismus. Und um diese Entsagung zu erlernen, braucht man keine Zuflucht in die Einsamkeit zu nehmen. Diese Lexion muß durch die Arbeit auf dem Felde des Wirkens gelernt werden; das Werk ist das Mittel um auf dem Pfad des Jogas emporzusteigen. Diese Welt reichhaltigen Spieles, ist für den Zweck geschaffen worden, ihren Kreaturen Freude zu bringen. Es ist nicht die Absicht Gottes, daß dieses Spiel der Freude aufhören sollte. Er will, daß die Kreaturen seine Gefährten und Spielkameraden werden, um die Welt mit Freude zu überfluten. Wir sind in der Dunkelheit der Unwissenheit, weil der Herr sich wegen des Spiels abseits gehalten hat und sich auf diese Art mit Dunkelheit umgab. Viele sind der festgelegten Wege, welche den, - wenn gefolgt -, aus der Dunkelheit nehmen und die ihn in die Gesellschaft Gottes bringen würden. Wenn jemand nicht am Spiel interessiert ist und Ruhe wünscht, erfüllt Gott sein Begehren. Aber wenn man Seinem Weg um seinetwillen folgt, dann erwählt ihn Gott in dieser Welt oder woanders, als seinen würdigen Spielkameraden. Ardschuna war Krischnas liebster Gefährte und Spielkamerad, er erhielt deshalb die Lehre vom höchsten Geheimnis der Gita. Was das höchste Geheimnis ist, versuchte ich in einem vorherigen Kontext zu erklären (siehe "Essays über die Gita" A.d.Ü.). Das Göttliche sagte zu Ardschuna: "Es ist für die Welt schädlich, das Wirken aufzugeben; Wirken aufzugeben ist der Geist der Askese. Und eine Askese ohne Entsagung, ist bedeutungslos. Was man durch Askese gewinnt, gewinnt man auch durch Entsagung, das heißt, Freiheit von Unwissenheit, Gleichmut, Macht, Freude, Vereinigung mit Schri Krischna. Was auch immer der von allen verehrte Mensch tut, nehmen die Leute als Ideal und folgen ihm. Wenn du deshalb das Wirken durch Askese aufgibst, folgen alle diesem Pfad und bewirken die Verwirrung von sozialen Werten und die Herrschaft vom falschen Gesetz. Wenn du das Begehren nach der Frucht der Tat aufgibst und dem normalen Lebensgesetz der Menschen folgst, die Menschen dazu erweckst, jeder seiner eigenen Linie der Aktivität zu folgen, dann vereinigst du dich mit meinem Lebensgesetz und wirst mein vertrauter Freund." Schri Krischna erklärt weiterhin, daß die Regel ist, dem richtigen Pfad durch Werke zu folgen und am Ende des Pfades Stille zu erlangen, - das heißt, auf allen Sinn dafür zu verzichten, der Täter zu sein. Aber dies ist nicht Verzicht auf das Wirken durch Askese, dies ist allen vitalen Drang zur Tat aufzugeben, verbunden durch das Zurückweisen von Egoismus und durch die Vereinigung mit dem Göttlichen und mit immenser Arbeit und Bemühung, - alle Gunas transzendierend, Werke als ein durch Seine Kraft genötigtes Instrument zu tun. In diesem Zustand ist es das permanente Bewußtsein der Seele, daß sie nicht der Täter ist, - sie ist der Zeuge, Teil des Göttlichen; es ist die Göttliche Macht die durch ihren, von ihrem eigenen inneren Seinsgesetz zur Handlung geschaffenen Körper wirkt. Die Seele ist der Zeuge und der Genießer, die Natur ist der Täter, das Göttliche ist der Geber der Zustimmung. Das so erhellte Wesen, versucht keinem Werk das die Göttliche Macht in die Hand nimmt, hilfreich oder hinderlich zu begegnen. Der Schakti unterworfen, beschäftigt sich der Körper und der Geist und Intellekt, mit dem von Gott bestimmten Werk. Sogar ein schreckliches Massaker wie das von Kurukschetra kann keine Seele mit Sünde beflecken, wenn es von Gott sanktioniert wird und wenn es im Verlauf der Erfüllung ihres eigenen Dharmas (Inneres Gesetz) auftritt; aber nur einige wenige können zu diesem Wissen und diesem Ziel gelangen. Es kann nicht das Lebensgesetz für den gewöhnlichen Menschen sein. Was ist dann die Pflicht für die gewöhnlichen Wanderer? Sogar das Wissen 'Er ist der Herr, ich bin das Instrument', ist bis zu einem gewissen Maße innerhalb ihrer Reichweite. Durch dieses Wissen, sich immer an das Göttlichen zu erinnern und seinem eigenen Inneren Lebensgesetz zu folgen, geht die Richtung, die gegeben worden ist.
"Besser ist das eigene Gesetz des Wirkens, Swadharma,
wenn auch in sich fehlerhaft, als ein fremdes gut ausgearbeitetes Gesetz;
Tod in seinem eigenen Wesensgesetz ist besser,
gefährlich ist es einem fremden Gesetz zu folgen."
Sein eigenes Lebensgesetz (Swadharma) bedeutet, das durch die eigene Natur (Swabhave) beherrschte Wírken; die eigene Natur entsteht und entwickelt sich im Verlauf der Zeit. Im Prozeß der Zeit, entwickelt der Mensch eine eigene allgemeine Natur; die von dieser Formulierung der Natur bestimmten Werke, verleihen dem Gesetz dieses Zeitalters Ausdruck. Im Prozeß der Lebensbewegung einer Nation, wird die eigene Natur der Nation aufgebaut und die von dieser Natur bestimmten Werke, sind das Lebensgesetz der Nation. Und im Verlauf des Lebensganges einer Person, bestimmt die spezielle Natur die sie entwickelt, das Werk, das das Lebensgesetz der Person wird. Diese verschiedenen Lebensgesetze sind zusammen verbunden, in einem gemeinsamen Ideal organisiert, welches das des Ewigen Gesetzes ist. Dieses Gesetz ist das eigene Gesetz für alle, die dem wahren Gesetz zu folgen suchen. Als spiritueller Student (Brahmatschari) folgt man diesem Gesetz, um Wissen und Stärke zu sammeln. Wenn man dann dieses Gesetz völlig erfüllt hat, wird man für die letzten Stufen, Vanaprastha oder Sannjasa berechtigt. Solchermaßen ist die ewige Bewegung des ewigen Gesetzes.
Schri Aurobindo
Diese an das bengalische Volk gerichtete Rede Schri Aurobindos, wurde ursprünglich in Bengalisch verfasst und von Nolini Kanta Gupta ins Englische übersetzt. Der einseitigen asketischen Hinwendung zu Meditation und Yoga und somit auch der Gefahr der Passivität und der Abwendung vom Diesseits, wird hier ein aktives Bild des Handelns in Gott vorgestellt.
Obwohl zu allererst Asien betreffend, hilft das Geschriebene uns Europäern doch zur besseren Unterscheidung von Weltverneinung und Weltbejahung, die ja auch unserer Kultur bekannt sind. Ich denke hier z.B. an das Klosterwesen, das besonders im frühen Mittelalter Zufluchtsort der Askese gewesen ist und konträr dazu, die Bejahung Gottes in der Welt durch das Beispiel des frühen Rittertums, was besonders im Artuskreis seine Auswirkungen gezeigt hat, - in der Welt zu leben für Gott und nicht für sich selbst, war ihre Devise. Dies wurde später beim Bau der Kathedralen sehr deutlich. Und auch Walther von der Vogelweide wurde vor dieses Problem des Handelns gestellt, wie es in einem seiner Gedichte zum Ausdruck kommt. (Folge ich Gott, verlier ich die Welt - folg ich der Welt, verliere ich Gott.)
Schri Aurobindo ermutigt zum Letzteren, (also zum Handeln in der Welt für Gott) indem er sich auf die Aussagen der Bhagavat-Gita stützt und diese ins richtige Licht rückt. Schri Krischna ist hier nicht sosehr das flötende Kind (d.h. der zum Göttlichen Spiel Rufende), sondern der Feldherr und der Politiker, dessen Aspekt nicht so allgemein bekannt ist.
Der Gedanke des Ariers wurde zu der Zeit in der dies geschrieben wurde, noch nicht durch die faschistischen Greueltaten beschmutzt, die es fast unmöglich machen, diesen Gedanken heute neu zu formulieren. Arier steht also hier für vollkommenes Menschentum. Vollkommenes Menschentum, ist vergöttlichtes Menschentum. Lernen sie zwischen Titan (Asura) und Gott (Deva) zu unterscheiden, das ist sehr wichtig.
Wenn sie die Lehre über die Eigennatur und das Eigengesetz weiter interessiert, empfehle ich ihnen Schri Aurobindos Werk "Essays über die Gita", das im Hinder und Deelmann Verlag in Deutsch erschienen ist. Dort wird sehr eingehend darauf eingegangen.
Wenn unsere Psychologie sich diese Lehre zur Grundlage machen könnte, wäre das ein sehr großer Fortschritt. Bestätigt sie doch das Individuum im Kosmos und der Welt, während die jetzige Psychologie den Gedanken des Individuums noch nicht deutlich und klar formuliert hat. Sie mißt dessen Wert immer noch an den Erfordernissen der Marktwirtschaft, was es in eine Zwangsjacke steckt und gerade deshalb zur Verbreitung psychischer Verunstaltungen verhilft, außerdem hätten wir wahrlich etwas besseres verdient als solch eine Verdrehung. Man fragt sich letztlich ob sie, die Psychologie, nicht selbst behandlungsbedürftig ist, - und sie ist es in der Tat!
Beachten sie weiterhin, das mit Wissen hier Gottwissen, (das Wissen, das man bei einer Gemeinschaft mit dem Göttlichen in sich erlangt) gemeint ist.
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